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Tarife & Abgaben 28. August 2026 · Akt. 31. August 2026 · 5 Min Lesezeit

EWN führt Sommer- und Winterpreise ein

Das EWN hält die Strompreise tief und richtet seine Tarife stärker an Produktion und Markt aus. Neu gelten saisonale Energiepreise.

Die Strompreise des Elektrizitätswerks Nidwalden (EWN) bleiben auch 2027 günstig. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4’500 kWh sinkt die Stromrechnung um rund 0.5 Prozent. Kleine Unternehmen in der Grundversorgung mit einem Verbrauch von 150’000 kWh pro Jahr bezahlen rund 136 Franken weniger, ebenfalls ein Rückgang um 0.5 Prozent.

Gleichzeitig baut das EWN seine Tarifstruktur um. Neu werden für die Energie Sommer- und Winterpreise eingeführt. Die bisherigen Normal- und Sparpreise entfallen. Zudem werden die Stromprodukte, die Kundengruppen und die Vergütung für eingespeisten Solarstrom angepasst.

Die wichtigsten Änderungen beim EWN

  • Haushalt mit 4’500 kWh: Stromrechnung sinkt um rund 0.5 Prozent
  • Kleinunternehmen mit 150’000 kWh: Entlastung um 136 Franken pro Jahr
  • Neue saisonale Energiepreise für Sommer und Winter
  • Normal- und Sparpreise entfallen
  • Standardprodukt neu mit zwei Dritteln erneuerbarer Energie und einem Drittel Kernenergie
  • Rückspeisevergütung wird stärker an die Spotmarktpreise gekoppelt

EWN hält Strompreise trotz neuer Tarifstruktur tief

Der Strompreis setzt sich aus Energie, Netznutzung, Messung sowie verschiedenen Abgaben und Zuschlägen zusammen. Weil immer mehr Strom dezentral produziert und direkt vor Ort verbraucht wird, wird weniger Energie über das Netz bezogen. Die festen Kosten für Betrieb, Unterhalt und Messung bleiben jedoch bestehen.

Das EWN erhöht deshalb die Grundgebühren für Netznutzung und Messung leicht. Für die Kundinnen und Kunden bleiben die verbrauchsunabhängigen Kosten unter dem Strich trotzdem unverändert, weil im Energiebereich künftig keine Grundgebühr mehr erhoben wird. In der Grundversorgung sinkt der Gesamtpreis dadurch leicht.

Zusätzlich gibt das EWN die tieferen Abgaben an die nationale Netzgesellschaft Swissgrid weiter. Diese reduzieren sich insgesamt von 0.73 Rp./kWh auf 0.55 Rp./kWh.

Sommer- und Winterpreise bilden Energiekosten ab

Mit den neuen saisonalen Energiepreisen will das EWN die tatsächlichen Produktions- und Beschaffungskosten stärker abbilden. Im Sommer steht dank Photovoltaik und den eigenen Wasserkraftwerken vergleichsweise viel günstige Energie zur Verfügung. Im Winter sinkt dagegen sowohl die Solarstromproduktion als auch die Produktion aus Wasserkraft.

Während der Wintermonate muss das EWN deshalb mehr Strom am Markt zukaufen. Diese Energie ist nach Angaben des Unternehmens teurer. Die unterschiedlichen Sommer- und Winterpreise sollen diese saisonalen Kostenunterschiede für die Kundinnen und Kunden transparenter machen.

Damit verändert sich die bisherige Logik der Tarifzeiten. Die zeitliche Unterscheidung zwischen Tag und Nacht verliert an Bedeutung, weil Strom insbesondere tagsüber aufgrund der hohen Solarstromproduktion zunehmend günstig verfügbar ist.

EWN schafft Normal- und Sparpreise ab

Das bisherige Wahlprodukt mit Normal- und Sparpreisen entfällt. Kundinnen und Kunden mit steuerbaren Anwendungen wie Boilern können stattdessen mit dem neuen Produkt «Flex» von einem Rabatt auf den Netznutzungskosten profitieren.

Damit verlagert das EWN den Anreiz von fixen Tag- und Nachtzeiten hin zur Steuerbarkeit des Stromverbrauchs. Anwendungen, deren Bezug durch den Netzbetreiber beeinflusst werden kann, können zu einer netzdienlicheren Nutzung beitragen.

Die neue Struktur trägt damit der veränderten Stromproduktion Rechnung. Insbesondere die zunehmende Photovoltaik führt dazu, dass die frühere Einteilung in teure Tages- und günstigere Nachtstunden die Verhältnisse am Strommarkt immer weniger widerspiegelt.

EWN passt die Stromqualität ab 2027 an

Auch bei der Herkunft des gelieferten Stroms gibt es Änderungen. Aufgrund des neuen Energiegesetzes müssen die Stromqualitäten ab 2027 quartalsweise ausgewiesen werden. Das bisherige Modell, bei dem der Stromverbrauch der Grundversorgung über das Gesamtjahr mit WasserStrom abgedeckt werden konnte, wird deshalb angepasst.

Das neue Standardstromprodukt besteht zu zwei Dritteln aus erneuerbarer Energie aus der Schweiz. Dazu zählen Wasser, Sonne und Biomasse. Ein Drittel stammt aus Kernenergie.

Kundinnen und Kunden, die weiterhin Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen beziehen möchten, können das Produkt NaturStrom wählen. Der Aufpreis beträgt 1 Rp./kWh.

EWN vereinfacht Kundengruppen und Leistungstarife

Das EWN vereinfacht gleichzeitig die Kundenstruktur und unterscheidet künftig nur noch zwischen einem Jahresverbrauch bis 50 MWh und einem Verbrauch ab 50 MWh. Für grössere Verbraucher verändert sich damit auch die Berechnung der Netznutzung.

Ab einem Jahresverbrauch von mehr als 50 MWh wird neben dem Preis pro Kilowattstunde die höchste bezogene Leistung eines Monats verrechnet. Damit berücksichtigt das EWN stärker, wie stark ein Anschluss das Stromnetz zu einzelnen Zeitpunkten beansprucht.

Hohe Leistungsspitzen verursachen zusätzliche Anforderungen an die Netzinfrastruktur. Mit der Leistungskomponente sollen diese Netzkosten verursachergerechter den entsprechenden Verbrauchern zugeordnet werden.

Rückspeisung folgt künftig stärker dem Spotmarkt

Auch die Vergütung für eingespeisten Strom aus Photovoltaikanlagen wird weiterentwickelt. Das EWN orientiert sich bereits heute am Referenz-Marktpreis des Bundesamtes für Energie und berücksichtigt die Mindestvergütung für Anlagen mit einer Leistung von weniger als 150 kW.

Ab 1. Januar 2027 wird die Vergütung nach dem Parlamentsbeschluss stärker mit dem tatsächlichen Marktwert des eingespeisten Stroms verknüpft. Anstelle einer reinen Durchschnittsbetrachtung über einen Referenzmarktpreis erfolgt die Vergütung auf Basis der stündlichen Spotmarktpreise.

Auch die Vergütung der Stromqualität wird saisonal angepasst. Im Sommer sind aufgrund der hohen Produktion von Wasser- und Solarstrom mehr Herkunftsnachweise verfügbar und entsprechend weniger wert. Die Vergütung fällt deshalb im Sommer tiefer aus als im Winter.

Das EWN hält seine Strompreise auch 2027 tief und führt gleichzeitig saisonale Sommer- und Winterpreise sowie eine neue Tarifstruktur ein. zvg

EWN führt saisonale Sommer- und Winterpreise ein und passt die Stromtarife sowie Stromprodukte an.

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