Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 im Median um rund vier Prozent. Tiefere Energietarife entlasten Haushalte, während Netz- und Messtarife leicht steigen. zvg
Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 im Median um rund vier Prozent. Tiefere Energietarife entlasten Haushalte, während Netz- und Messtarife leicht steigen. zvg
Tarife & Abgaben 8. September 2026 · 5 Min Lesezeit

Strompreise 2027 sinken im Schweizer Median leicht

Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 im Median um rund vier Prozent. Tiefere Energiekosten entlasten Haushalte.

Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 im Median um rund vier Prozent. Tiefere Energietarife entlasten Haushalte, während Netz- und Messtarife leicht steigen. zvg
Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 im Median um rund vier Prozent. Tiefere Energietarife entlasten Haushalte, während Netz- und Messtarife leicht steigen. zvg

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) hat die Stromtarife 2027 veröffentlicht. Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4’500 kWh liegt der schweizweite Median des Gesamttarifs bei 26.5 Rp./kWh. Gegenüber 2026 entspricht dies einer Senkung um 1.2 Rp./kWh beziehungsweise rund vier Prozent.

Ein H4-Haushalt bezahlt damit im Median rund 1’194 Franken pro Jahr. Das sind rund 53 Franken weniger als 2026. Hauptgrund für die Entlastung sind die tieferen Kosten der Energiebeschaffung, während Netznutzungs- und Messtarife leicht steigen.

Stromtarife 2027 für einen H4-Haushalt

  • Gesamttarif: 26.5 Rp./kWh, rund 1.2 Rp./kWh weniger als 2026.
  • Jahreskosten bei 4’500 kWh: rund 1’194 Franken, etwa 53 Franken weniger.
  • Energietarif: 11.35 Rp./kWh gegenüber 12.11 Rp./kWh im Vorjahr.
  • Netztarif: 10.94 Rp./kWh gegenüber 10.73 Rp./kWh im Vorjahr.
  • Messtarif: 78.48 Franken pro Jahr gegenüber 74.40 Franken im Vorjahr.
  • Netzzuschlag: unverändert 2.3 Rp./kWh.

Energietarife sinken 2027 um mehr als sechs Prozent

Die deutlichste Entlastung zeigt sich bei der Energielieferung. Der Median des Energietarifs sinkt von 12.11 auf 11.35 Rp./kWh. Das entspricht einer Reduktion um 6.28 Prozent.

Nach Angaben der ElCom laufen bei zahlreichen Versorgern besonders teure Beschaffungsverträge aus. Die Entspannung an den Grosshandelsmärkten der vergangenen Jahre erreicht deshalb zunehmend die Tarife der Grundversorgung.

Der seit März 2026 im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg festgestellte deutliche Preisanstieg am Grosshandelsmarkt wirkt sich bei strukturierten Beschaffungsstrategien auf das Tarifjahr 2027 dagegen kaum aus. Je nach weiterer Entwicklung könnten sich entsprechende Effekte erst in späteren Tarifjahren zeigen.

Netztarife steigen trotz tieferer Swissgrid-Kosten leicht

Während die Energie günstiger wird, steigt der Median des Netztarifs für einen H4-Haushalt von 10.73 auf 10.94 Rp./kWh. Dies entspricht einer Zunahme von rund zwei Prozent. Der allgemeine Trend steigender Netzkosten setzt sich damit fort.

Dämpfend wirken die tieferen Kosten des Übertragungsnetzes. Die Kosten für die Stromreserve sinken von 0.41 auf 0.17 Rp./kWh. Auch die Swissgrid-Tarife gehen von 1.42 auf 1.20 Rp./kWh zurück.

Zusätzlich liegt die Kapitalverzinsung für die Stromnetze, der sogenannte WACC, mit 3.28 Prozent unter den 3.43 Prozent des Vorjahres. Gemäss ElCom reduziert dies die aggregierten Netzkosten um rund 34 Mio. Franken und den Netztarif rechnerisch um etwa 0.06 Rp./kWh.

Messtarife für Haushalte steigen auf 78.48 Franken

Die seit 2026 separat ausgewiesenen Messtarife steigen 2027 im schweizweiten Median leicht. Für einen Haushalt erhöht sich der Betrag von 74.40 auf 78.48 Franken pro Jahr. Beim Verbrauchsprofil H4 entspricht dies rechnerisch einem Anstieg von 1.65 auf 1.74 Rp./kWh.

Auffällig bleiben die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Netzbetreibern. Laut ElCom reichen die Messtarife für Haushalte von 0 bis 180 Franken pro Jahr. Die Regulierungsbehörde verfolgt die Entwicklung der Messkosten und Messtarife deshalb weiterhin im Rahmen ihres Monitorings.

Auch bei mittleren Betrieben zeigt sich 2027 grundsätzlich das gleiche Bild. Die Energiepreise gehen zurück, während die Netzkosten einschliesslich der Messkosten leicht steigen.

Bundesabgaben verschieben sich innerhalb des Stromtarifs

Der Netzzuschlag bleibt 2027 unverändert bei 2.3 Rp./kWh. Auch die Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen bleiben mit einem Median von rund 1 Rp./kWh stabil. Veränderungen gibt es dagegen bei weiteren über das Übertragungsnetz verrechneten Komponenten.

Die Stromreserve wird mit 0.17 Rp./kWh deutlich günstiger als im Vorjahr mit 0.41 Rp./kWh. Gleichzeitig steigt der Tarifzuschlag für solidarisierte Kosten von 0.05 auf 0.19 Rp./kWh.

Die verschiedenen gegenläufigen Entwicklungen zeigen, weshalb die Betrachtung einzelner Tarifkomponenten für die Einordnung der Strompreise zunehmend wichtig wird. Die Entlastung des Gesamttarifs wird 2027 vor allem durch die deutlich günstigere Energie getragen.

Strompreise unterscheiden sich regional weiterhin stark

Bei den veröffentlichten Werten handelt es sich um schweizweite Medianwerte. Die tatsächlichen Stromtarife der einzelnen Gemeinden und Verteilnetzbetreiber können erheblich davon abweichen. Insbesondere bei der Energielieferung bestehen weiterhin grosse Unterschiede.

Massgeblich sind unter anderem der Anteil eigener Produktion, die Beschaffungsstrategie und der Zeitpunkt abgeschlossener Energielieferverträge. Hinzu kommen unterschiedliche Netzkosten, Deckungsdifferenzen, Abgaben und Tarifstrukturen.

Ein Rückgang des schweizweiten Medians um rund vier Prozent bedeutet deshalb nicht, dass die Strompreise in sämtlichen Netzgebieten sinken. Je nach Versorger sind auch deutlich stärkere Senkungen, weitgehend stabile Tarife oder Preiserhöhungen möglich.

ElCom fordert nachvollziehbarere Tarifkommunikation

Parallel zur Tarifpublikation verstärkt die ElCom ihre Aufsicht über die Kommunikation der Netzbetreiber. Im Rahmen einer ergänzenden Compliance-Prüfung wurden insbesondere die Entflechtungsvorgaben sowie die transparente Darstellung von Stromtarifen und Tarifveränderungen untersucht.

Die Anforderungen an die Strukturierung der Stromrechnung werden nach Einschätzung der ElCom grösstenteils eingehalten. Verbesserungsbedarf sieht die Behörde dagegen bei der Begründung von Tarifveränderungen. Diese sei bei verschiedenen Netzbetreibern nicht ausreichend klar und nachvollziehbar.

Die Netzbetreiber sind dafür verantwortlich, ihren Endverbraucherinnen und Endverbrauchern die Gründe für Tarifveränderungen verständlich mitzuteilen. Die ElCom will die Einhaltung dieser Anforderungen weiter überwachen.

ElCom prüft Messdatenqualität für Sunshine-Regulierung

Ein weiterer Schwerpunkt der Aufsicht betrifft die Qualität der Messdaten. Diese bilden nicht nur die Grundlage für eine korrekte Stromabrechnung, sondern sind auch für Verbrauchs- und Produktionsprognosen sowie für Regel- und Ausgleichsenergie relevant.

Die ElCom hat bei Datenlieferungen von Verteilnetzbetreibern an Swissgrid Defizite festgestellt. Besonders auffällige Netzbetreiber wurden 2026 kontaktiert und zur Verbesserung der Messdatenqualität aufgefordert.

Die Regulierungsbehörde prüft nun, die Messdatenqualität künftig in die Sunshine-Regulierung aufzunehmen. Damit könnte ein weiterer Qualitätsindikator für den Vergleich der Schweizer Netzbetreiber entstehen.

ElCom veröffentlicht Stromtarife aller Netzbetreiber

Die Stromtarife 2027 der einzelnen Gemeinden und Verteilnetzbetreiber sind seit dem 8. September auf der Strompreis-Webseite der ElCom abrufbar. Die veröffentlichten Daten entsprechen dem Stand vom 7. September 2026 und stammen direkt von den Netzbetreibern.

Einige wenige Netzbetreiber haben ihre Daten nicht fristgerecht eingereicht. Für die betroffenen Netzgebiete stehen deshalb derzeit noch keine Tarifinformationen zur Verfügung. Aufgrund ihrer geringen Grösse erwartet die ElCom dadurch keine wesentliche Veränderung der schweizweiten Ergebnisse.

Die ElCom genehmigt die von den Netzbetreibern festgelegten Tarife nicht. Sie kann die Tarife bei einem entsprechenden Verdacht jedoch überprüfen und gegebenenfalls Tarifsenkungen verfügen.

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