St.Gallen analysiert Wasserbilanz im Siedlungsgebiet
Erstmals liegt eine umfassende Wasserbilanz für das Siedlungsgebiet der Stadt St.Gallen vor. Die Analyse wurde gemeinsam von Entsorgung St.Gallen, den St.Galler Stadtwerken und Fachorganisationen erarbeitet. Grundlage sind Daten aus der Trinkwasserversorgung, der Abwasserreinigung sowie meteorologische Messungen.
Die Auswertung zeigt, wie viel Regen-, Trink- und Abwasser jährlich durch die Stadt fliesst und wie diese Mengen im System verteilt werden. Damit wird sichtbar, wo bestehende Strukturen effizient arbeiten und wo Anpassungen notwendig sind.
Die Ergebnisse liefern eine Grundlage für zukünftige Investitionen und Massnahmen im Bereich der Wasserinfrastruktur und der Klimaanpassung.
Regenwasser belastet Kanalisation und Gewässer
Mit Abstand die grösste Wassermenge stammt aus dem Niederschlag. Jährlich fallen 24.6 Millionen Kubikmeter Regen auf die Siedlungsfläche. Ein Teil davon verdunstet oder versickert, doch fast ein Drittel gelangt in die Kanalisation.
Bei Starkregen führt dies zu einer Überlastung des Systems. Rund 2.2 Millionen Kubikmeter verdünntes Mischabwasser werden jährlich in Gewässer eingeleitet. Diese Mengen können nur teilweise gereinigt werden und stellen eine Belastung für die Umwelt dar.
Die Analyse zeigt damit klar, dass insbesondere beim Umgang mit Regenwasser Handlungsbedarf besteht.
Trinkwasserversorgung arbeitet effizient
Die Untersuchung bestätigt gleichzeitig die hohe Effizienz der bestehenden Trinkwasserversorgung. Jährlich werden 6.4 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Bodensee aufbereitet und verteilt.
Die Verluste im Leitungsnetz liegen bei weniger als 2 Prozent. Damit erreicht St.Gallen im schweizweiten Vergleich eine Spitzenposition.
Diese Effizienz zeigt, dass zentrale Teile der Wasserinfrastruktur gut funktionieren und eine solide Basis für weitere Entwicklungen bieten.
Fremdwasser erhöht Belastung der Kläranlagen
Ein zusätzlicher Befund betrifft sogenanntes Fremdwasser. Rund 1.7 Millionen Kubikmeter sauberes Wasser gelangen jährlich über undichte Leitungen oder Drainagen in die Kanalisation.
Dieses Wasser muss in den Kläranlagen mitgereinigt werden, obwohl es keine Verschmutzung aufweist. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten und Belastungen für die Infrastruktur.
Die Reduktion dieser Mengen ist ein wichtiger Hebel zur Effizienzsteigerung im System.
St.Gallen fördert Schwammstadt und lokale Lösungen
Zur Verbesserung des Umgangs mit Regenwasser setzt die Stadt auf das Konzept der Schwammstadt. Ziel ist es, Wasser lokal zurückzuhalten, versickern zu lassen oder zu verdunsten, anstatt es direkt abzuleiten.
Bereits umgesetzt wurde ein Rückhaltebecken im ehemaligen Kino Rex. Weitere Projekte sind auf dem Marktplatz und im Kantonsschulpark geplant.
Zusätzlich unterstützt ein städtischer Fonds entsprechende Massnahmen finanziell. Seit der Einführung wurden rund 1.2 Millionen Franken zugesprochen. Der Fonds übernimmt bis zu 50 Prozent der Projektkosten.
Zentrale Kennzahlen der Wasserbilanz St.Gallen
- 24.6 Mio. m³ jährlicher Niederschlag
- 2.2 Mio. m³ Mischabwasser gelangen in Gewässer
- 6.4 Mio. m³ Trinkwasser aus dem Bodensee
- 1.7 Mio. m³ Fremdwasser in der Kanalisation






