Die Tarife von Swissgrid sinken im Jahr 2027 erneut. Für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4’500 Kilowattstunden belaufen sich die Kosten für die Leistungen von Swissgrid auf rund CHF 54 pro Jahr, nach CHF 64 im Jahr 2026. Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 90’000 Kilowattstunden zahlen noch CHF 1’086 statt CHF 1’286. Damit leistet Swissgrid nach eigenen Angaben einen Beitrag zu einer tieferen Belastung der Stromkonsumentinnen und -konsumenten in der Schweiz.

Hinter dem Rückgang stehen vor allem tiefere Kosten in den Bereichen Engpassmanagement, Systemdienstleistungen und Stromreserve. Gleichzeitig steigt der Tarif für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz markant an. Dieser Zuschlag deckt nicht von Swissgrid verursachte Kosten wie Netzverstärkungen in Verteilnetzen sowie Entlastungen für die Schweizer Stahl- und Aluminiumindustrie.

Die wichtigsten Tarifänderungen 2027

  • Vierpersonenhaushalte zahlen für Swissgrid-Leistungen rund CHF 54 statt CHF 64 pro Jahr
  • Der Tarif für die Stromreserve sinkt von 0.41 auf 0.17 Rp./kWh
  • Der Zuschlag für solidarisierte Kosten steigt von 0.05 auf 0.19 Rp./kWh
  • Der SDL-Tarif sinkt von 0.27 auf 0.19 Rp./kWh

Swissgrid drückt Kosten bei Netznutzung und SDL

Im Bereich Netznutzung senkt Swissgrid den Arbeitstarif von 0.10 auf 0.09 Rp./kWh. Bei den allgemeinen Systemdienstleistungen sinkt der Tarif von 0.27 auf 0.19 Rp./kWh. Auch bei den Wirkverlusten geht der Tarif deutlich zurück, von 0.20 auf 0.08 Rp./kWh. Für die Spannungshaltung berechnet Swissgrid neu 1.62 Rp./kvarh statt 1.81 Rp./kvarh.

Als Grund nennt das Unternehmen wirksame Massnahmen zur Effizienzsteigerung. Beim Engpassmanagement setzt Swissgrid unter anderem auf Dynamic Line Rating. Dieses Überwachungssystem ermittelt die Belastbarkeit von Stromleitungen abhängig von den Wetterbedingungen in Echtzeit. Dadurch kann das bestehende Netz besser genutzt und der Bedarf an kostspieligen Eingriffen reduziert werden.

Auch im Bereich der Systemdienstleistungen habe sich die Marktöffnung für neue Akteure ausgewirkt. Dazu zählen etwa Batteriespeicher und gebündelte kleinere Anlagen. Das grössere Angebot für Regelleistung wirkt laut Swissgrid kostendämpfend.

Stromreserve wird günstiger

Deutlich tiefer fällt 2027 auch der Tarif für die Stromreserve aus. Er sinkt von 0.41 auf 0.17 Rp./kWh. Für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt bedeutet das Kosten von rund CHF 8 pro Jahr, nach CHF 18 im Vorjahr.

Die Stromreserve umfasst Reservekraftwerke, Notstromgruppen und die Wasserkraftreserve. Sie liegt in der Verantwortung des Bundes, wird jedoch über Swissgrid an die Stromkonsumentinnen und -konsumenten verrechnet. Swissgrid weist gleichzeitig darauf hin, dass die erwarteten Kosten für neue Reservekraftwerke künftig wieder zu einem Anstieg dieses Tarifs führen werden.

Tarifsenkend wirken weiterhin auch die Erlöse aus der Versteigerung der Grenzkapazitäten. Gemäss Entscheid der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom setzt Swissgrid davon erneut 35 Prozent zur Reduktion der Tarife ein.

Solidarisierte Kosten steigen deutlich

Der einzige Tarif mit einer Erhöhung ist 2027 der Zuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz. Er steigt von 0.05 auf 0.19 Rp./kWh. Für einen Vierpersonenhaushalt entspricht dies rund CHF 8 pro Jahr, nach CHF 2 im Jahr 2026.

Dieser Tarifbestandteil betrifft Kosten, die nicht durch Swissgrid selbst verursacht werden. Konkret geht es um Netzverstärkungen in den Verteilnetzen sowie um die Entlastung der Schweizer Stahl- und Aluminiumindustrie beim Netznutzungsentgelt. Damit zeigt sich, dass die Entwicklung der Swissgrid-Tarife trotz insgesamt sinkender Belastung differenziert betrachtet werden muss.