KWO treibt Winterspeicherprojekt Trift weiter voran

Der Neubau von Speichersee und Kraftwerk Trift im östlichen Berner Oberland zählt zu den strategischen Wasserkraftausbauvorhaben des Bundes. Seit Anfang 2025 ist das Projekt im neuen Stromgesetz verankert und gilt als prioritär für die Versorgungssicherheit in den Wintermonaten.

Der geplante Stausee verfügt über ein Fassungsvermögen von 85 Millionen Kubikmetern. Der Energiegehalt beträgt 215 Gigawattstunden, die zusätzliche Stromproduktion liegt bei 145 Gigawattstunden. Damit stärkt das Projekt die flexible und planbare Stromproduktion im Schweizer Stromsystem.

Mit zunehmender Volatilität durch Wind- und Solarenergie gewinnt die kurzfristige Abrufbarkeit von Speicherenergie weiter an Bedeutung. Das Projekt Trift soll hierzu einen substanziellen Beitrag leisten.

Blockierte Gespräche mit Innertkirchen

Die Projektplanung läuft seit 2014. 2017 reichte die KWO die Konzessionsunterlagen bei den kantonalen Behörden ein. Ende 2025 einigte sich das Unternehmen mit dem Kanton Bern und Umweltverbänden auf zusätzliche Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft.

Die Standortgemeinde Innertkirchen kritisierte diese Einigung. Die Gespräche wurden vor Weihnachten abgebrochen, ein erneutes Gesprächsersuchen Anfang 2026 blieb ohne Ergebnis. Für die KWO erschwert dies die weitere Planung im Hinblick auf eine spätere Baugesuchseingabe.

Gleichzeitig ist vor dem bernischen Verwaltungsgericht noch eine Beschwerde gegen die Konzessionserteilung hängig.

Alternative Erschliessung über das Aaretal

Als Reaktion prüft die KWO seit Ende 2025 eine alternative Erschliessungsvariante via Aaretal. Die mögliche Stollenführung würde auf der Höhe Bärfallen oberhalb von Guttannen ansetzen und unterirdisch Richtung Trift führen.

Die Gesamtlänge der Erschliessungsstollen läge bei rund 8 Kilometern und damit rund 3 Kilometer über der bisherigen Variante via Gadmental. Die Lage im unbewohnten Gebiet ausserhalb der Landwirtschaftszone sowie die Anbindung über die Grimselstrasse gelten als logistische Vorteile.

Die Geologie ist in grossen Teilen bekannt, da im gleichen Bereich seit Jahrzehnten ein wasserführender Stollen vom Aaretal zur Trift besteht. Zusätzliche ökologische und geologische Abklärungen sowie Projektanpassungen sind jedoch notwendig.

Kennzahlen Speicherprojekt Trift

  • Fassungsvermögen: 85 Mio. m³
  • Energiegehalt: 215 GWh
  • Zusätzliche Produktion: 145 GWh
  • Erschliessungsstollen Aaretal: rund 8 km

Variantenentscheid noch offen

Der ursprünglich geplante Zugang via Gadmental bleibt die kürzeste Erschliessung und ist planerisch weit fortgeschritten. Mit der Variante Aaretal entsteht jedoch eine zusätzliche Option, um das national bedeutende Winterspeicherprojekt trotz der aktuellen Blockade voranzutreiben.

Die KWO rechnet für die vertieften Abklärungen mit einem Aufwand von ein bis zwei Jahren. Aussagen zu den Gesamtkosten der Variante Aaretal sind derzeit noch nicht möglich.

Das Unternehmen betont, die Immissionen und Einschränkungen während einer allfälligen Bauphase möglichst gering zu halten und die Betriebsabläufe entsprechend zu optimieren.