Axpo analysiert Winterstrombedarf der Schweiz

Die Schweizer Stromversorgung steht insbesondere im Winter vor wachsenden Herausforderungen. Der steigende Strombedarf durch Elektrifizierung von Mobilität und Wärme, Digitalisierung sowie Bevölkerungswachstum trifft auf strukturelle Veränderungen im Produktionsmix.

Mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie fällt künftig ein wesentlicher Teil der Winterstromproduktion weg. Gleichzeitig bleibt die Wasserkraft das Rückgrat der Versorgung, verfügt jedoch über begrenztes Ausbaupotenzial.

Vor diesem Hintergrund hat Axpo die «Axpo Energy Reports» erarbeitet. Rund 50 Fachpersonen sowie externe Institutionen wie ETH Zürich und Paul-Scherrer-Institut haben verschiedene Technologien und deren Beitrag zur Versorgungssicherheit analysiert.

Zwei Szenarien für die künftige Stromversorgung

Die Reports zeigen zwei mögliche Entwicklungspfade für eine verlässliche und emissionsarme Stromversorgung. Beide Szenarien setzen auf eine starke inländische Produktion, ergänzt durch internationale Zusammenarbeit.

Im ersten Szenario basiert die Versorgung auf einer Kombination aus Wasserkraft, Photovoltaik, deutlich ausgebauter Windkraft sowie marktaktiven Gaskraftwerken. Diese übernehmen eine wichtige Rolle bei Versorgungsspitzen und kritischen Wetterlagen.

Das zweite Szenario ergänzt diesen Mix durch den Neubau von zwei Kernkraftwerken. Dadurch reduziert sich der Ausbaubedarf bei anderen Technologien, gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Finanzierung und Regulierung.

Zwei Szenarien für die Winterstromversorgung

  • Szenario 1: Mix aus Wasser, Solar, Wind und Gaskraftwerken
  • Szenario 2: Ergänzung durch neue Kernkraftwerke
  • Beide Szenarien ohne zusätzliche Fördermittel umsetzbar

Vier Massnahmen mit hoher Dringlichkeit

Unabhängig vom gewählten Szenario identifiziert Axpo vier zentrale Handlungsfelder. Diese sogenannten No-regret-Massnahmen sind entscheidend für die langfristige Versorgungssicherheit.

Dazu gehört die Sicherstellung des Langzeitbetriebs bestehender Kernkraftwerke. Diese liefern kostengünstigen Winterstrom und schaffen Zeit für den Ausbau anderer Technologien.

Zudem muss das Förderregime stärker auf Winterstrom ausgerichtet werden. Der Ausbau der Windkraft gilt als besonders relevant, da sie im Winter eine hohe Produktionsleistung erzielt. Ergänzend braucht es geeignete Rahmenbedingungen für flexible Gaskraftwerke.

Axpo priorisiert flexibles Szenario ohne neue Kernkraftwerke

Aus Sicht von Axpo bietet das erste Szenario die grösste Flexibilität. Es ermöglicht eine stärkere Einbindung marktwirtschaftlicher Mechanismen und reduziert die Abhängigkeit von staatlichen Eingriffen.

Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass die Option neuer Kernkraftwerke offenbleiben sollte. Die Realisierung ist jedoch mit erheblichen politischen, regulatorischen und finanziellen Unsicherheiten verbunden.

Die «Axpo Energy Reports» verstehen sich als faktenbasierter Beitrag zur energiepolitischen Diskussion in der Schweiz. Sie sollen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Entscheidungsfindung unterstützen.