
VDE unterstützt Aufbau des E-Lkw-Schnellladenetzes
Deutschland baut die Ladeinfrastruktur für E-Lkw aus. Mehr als 4'200 Ladepunkte und Megawattladen stellen dabei neue Anforderungen an die Stromnetze.
Mit dem Aufbau eines bundesweiten Schnellladenetzes beginnt eine entscheidende Phase für die Elektrifizierung des Strassengüterverkehrs in Deutschland. Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik begrüsst die angekündigte Beteiligung des Bundesverkehrsministeriums von rund einer Milliarde Euro am Aufbau der Infrastruktur.
Die standortspezifische Umsetzung beginnt zunächst an 124 unbewirtschafteten Autobahnrastanlagen. Langfristig sollen an rund 350 Standorten mehr als 4'200 Ladepunkte entstehen. Ein grosser Teil davon soll für das Megawatt Charging System (MCS) ausgelegt werden.
«Der Start der Umsetzungsphase ist ein wichtiges Signal für Fahrzeughersteller, Logistikunternehmen und Infrastrukturbetreiber. Der Markthochlauf gelingt, wenn öffentliche Ladepunkte, betriebliche Depots und Stromnetze gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Der VDE unterstützt Politik und Industrie dabei mit Systemkompetenz, Normung, Prüfung und einem starken Expertennetzwerk»
Netzkapazitäten werden für E-Lkw zum Schlüsselfaktor
Für den Einsatz elektrischer Lastwagen im Fernverkehr müssen nach Einschätzung des VDE ausreichend Ladeinfrastruktur und Netzkapazitäten zur Verfügung stehen. Das öffentliche Schnellladenetz soll sowohl kurze Ladestopps als auch längere Ladephasen während der gesetzlichen Ruhezeiten ermöglichen.
Ein wesentlicher Teil der Energieversorgung elektrischer Flotten wird gleichzeitig auf den Betriebshöfen stattfinden. Dort müssen Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Fuhrparksteuerung und Energiemanagement frühzeitig aufeinander abgestimmt werden.
Intelligentes Lastmanagement kann die verfügbare Leistung entsprechend den Abfahrtszeiten, Touren und Ladezuständen der Fahrzeuge verteilen. Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher können zusätzlich in das Energiesystem des Depots eingebunden werden. Der Netzanschluss entwickelt sich damit zu einem strategischen Faktor für Flottenbetreiber und Logistikstandorte.
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Megawattladen stellt neue Anforderungen an die Technik
Das Megawatt Charging System ermöglicht Ladeleistungen, mit denen schwere Fernverkehrs-Lkw innerhalb der gesetzlichen Ruhezeiten ausreichend Energie für die Weiterfahrt aufnehmen können. Die hohen Leistungen stellen gleichzeitig neue Anforderungen an elektrische Sicherheit, Steckverbindungen, Kühlung sowie die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur.
Die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik begleitet die internationale Standardisierung des Megawattladens. Expertinnen und Experten der DKE waren unter anderem an der Erarbeitung der kürzlich veröffentlichten Norm IEC 61851-23-3 für Gleichstromversorgungseinrichtungen von Megawatt-Ladesystemen beteiligt.
Die nationale Umsetzung als DIN EN IEC 61851-23-3 ist in Arbeit. Auf deutscher Seite ist dafür das Normungsgremium DKE/K 353 «Elektrostrassenfahrzeuge» zuständig.
«Das Megawattladen muss von Beginn an sicher und interoperabel aufgebaut werden. Internationale Normen schaffen dafür eine gemeinsame technische Grundlage. Die DKE bringt die Anforderungen und Erfahrungen der deutschen Industrie in diesen Prozess ein»
VDE verbindet Ladeinfrastruktur und Stromnetze
Der VDE betrachtet das Laden schwerer Nutzfahrzeuge als gemeinsame Aufgabe der Mobilitäts- und Energiewirtschaft. Neben öffentlichen Ladepunkten müssen deshalb auch betriebliche Depots und die dafür notwendigen Netzanschlüsse in den Ausbau einbezogen werden.
Wie sich Megawattladen, Netzintegration und Depotkonzepte praktisch umsetzen lassen, ist auch Thema der 5. VDE E-MOBILITY CONFERENCE am 4. und 5. November 2026 im Coreum in Stockstadt am Rhein. In den Sessions «Elektrische Nutzfahrzeuge & Truck Charging» und «Depotladen für E-Lkw» stehen unter anderem Megawattladen, Netzintegration, Betriebskonzepte und Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt.
Vertreten sind unter anderem Daimler Truck, CATL, Fraunhofer IVI, Westnetz, DHL und ABB E-Mobility sowie Vertreter der einschlägigen DKE-Normungsgremien. Der Austausch zwischen Fahrzeugindustrie, Logistik, Energiewirtschaft, Netzbetrieb, Forschung und Normung soll den Übergang von einzelnen Projekten zu einer skalierbaren Ladeinfrastruktur unterstützen.



