Die Stromversorgungssicherheit der Schweiz war im vergangenen Winter durchgehend gewährleistet. Trotz des Ausfalls des Kernkraftwerks Gösgen und einer tieferen Wasserkraftproduktion als in den beiden Vorjahren konnten Importe die Versorgung stabilisieren.
Für den kommenden Winter 2026/27 sieht die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) jedoch neue Unsicherheiten. Im Zentrum stehen die möglichen Folgen des Iran-Kriegs für den globalen Gasmarkt, die europäische Stromproduktion und die Wiederbefüllung der Gasspeicher.
Stromimporte sichern die Schweiz im Winter
Das Kernkraftwerk Gösgen deckt üblicherweise gegen 13% des Schweizer Landesverbrauchs im Winter. Wegen des Ausfalls des zweitgrössten Kernkraftwerks bis knapp vor Ende des Winters war die Schweiz in ausserordentlich hohem Ausmass auf Stromimporte angewiesen.
Die Netto-Stromimporte beliefen sich auf rund 6.8 TWh. Das entspricht etwa einem Fünftel des Winter-Landesverbrauchs. Die Wasserkraftproduktion lag zwar etwa im langjährigen Mittel, jedoch deutlich unter den Werten der beiden Vorjahre.
Die Importe stammten vor allem aus Frankreich. Dort sorgten eine sehr hohe Produktion der Kernkraftwerke und entsprechende Überschüsse für ein gedämpftes Marktpreisniveau. Der mittlere Spotmarktpreis für das Marktgebiet Schweiz lag bei 120 EUR/MWh und damit leicht unter dem Vorwinter 2024/25 mit 122 EUR/MWh.
Versorgungssicherheit trotz Gösgen-Ausfall stabil
- Die Stromversorgung der Schweiz war im Winter durchgehend gewährleistet.
- Die Netto-Stromimporte erreichten rund 6.8 TWh.
- Das Kernkraftwerk Gösgen deckt normalerweise gegen 13% des Winter-Landesverbrauchs.
- Der mittlere Spotmarktpreis Schweiz lag bei 120 EUR/MWh.
Iran-Krieg erhöht Risiken am Gasmarkt
Ab März führten der Iran-Krieg und die Schliessung der Strasse von Hormus zu spürbar höheren Gaspreisen. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die europäischen Strommärkte aus, da Gaskraftwerke in Europa weiterhin eine wichtige Rolle für Verbrauchsspitzen und Phasen mit tiefer Erneuerbarenproduktion spielen.
Für den Winter 2026/27 bestehen Unsicherheiten über die Wiederbefüllung der europäischen Gaslager. Die Füllstände sind aktuell relativ tief. Gleichzeitig macht die vom Iran-Krieg beeinflusste Preisstruktur kurzfristige Gaslieferungen teurer als Lieferungen für den Winter.
Die ElCom sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass die Strommärkte eine physische Stromknappheit erwarten. Die Preise liegen trotz geopolitischer Unsicherheiten deutlich unter dem Niveau der Krisenjahre 2021/2022. Europa verfügt heute über mehr LNG-Terminalkapazitäten, zudem ist die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke ausserordentlich hoch.
Extremszenario bleibt Risiko für Stromversorgung
Ein Restrisiko bleibt dennoch bestehen. Eine Angebotsknappheit könnte entstehen, wenn die Schliessung der Strasse von Hormus länger anhält, die europäischen Gaslager nur beschränkt gefüllt werden und gleichzeitig tiefe Temperaturen sowie geringe Erneuerbarenproduktion den Gasverbrauch stark erhöhen.
In einem solchen Szenario könnte weniger Gas für Gaskraftwerke verfügbar sein. Das hätte Auswirkungen auf die europäische Stromversorgung und indirekt auch auf die Schweiz, die im Winter strukturell auf Importe angewiesen ist.
Die ElCom betont damit erneut die Bedeutung der internationalen Einbindung der Schweiz. Die Versorgungssicherheit hängt nicht nur von der inländischen Produktion ab, sondern auch von stabilen Importmöglichkeiten, funktionierenden Märkten und ausreichender Verfügbarkeit im europäischen Stromsystem.
ElCom fordert rascheren Unterhalt des Übertragungsnetzes
Mittelfristig verweist die ElCom auf die wachsenden Herausforderungen beim Unterhalt und bei der Erneuerung des Übertragungsnetzes. Rund 60% der etwa 12’000 Tragwerke sind zwischen 50 und 80 Jahre alt.
Um den zunehmenden Erneuerungsbedarf zu bewältigen, spricht sich die ElCom für weitere Vereinfachungen im Rahmen des sogenannten Netzexpress aus. Dazu gehören der Freileitungsgrundsatz und ein Verschlechterungsverbot, das die weitere Nutzung bestehender Trassen ohne zusätzliche Hürden ermöglichen soll.
Der Netzausbau und die Erneuerung bestehender Infrastruktur werden damit zu einem zentralen Element der Versorgungssicherheit. Neben Produktionskapazitäten und Importen rückt auch die technische Verfügbarkeit des Übertragungsnetzes stärker in den Fokus.
Blackout in Spanien zeigt Bedeutung der Spannungshaltung
Die ElCom verweist zudem auf den Schlussbericht von ENTSO-E zum Blackout auf der iberischen Halbinsel vom April 2025. Der Bericht wurde am 20. März 2026 veröffentlicht und unter Beteiligung von Übertragungsnetzbetreibern und Regulierungsbehörden erarbeitet, darunter Swissgrid und ElCom.
Der Bericht zeigt, dass mehrere Ursachen gleichzeitig zum Blackout beigetragen haben. Im Zentrum steht die Spannungshaltung. Ein vergleichbarer Vorfall gilt in der Schweiz aufgrund des Produktionsmixes, der geografischen Lage und der starken internationalen Vernetzung als unwahrscheinlich.
Dennoch sollen die Erkenntnisse in die Weiterentwicklung von Standards im Strommarkt einfliessen. Dazu gehören die ausreichende Bereitstellung der Spannungshaltung beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie die jederzeitige Gewährleistung der Schwarzstartfähigkeit und des Netzwiederaufbaus.







