Stromleitungen und Haushalte als Symbol für sinkende Stromtarife in der Grundversorgung.
Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 erneut sinken. Tiefere Energiekosten und langfristige Beschaffung wirken stabilisierend. zvg
Tarife & Abgaben 2. Juli 2026 · 3 Min Lesezeit

Stromtarife VSE erwartet weitere Entlastung

Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 weiter sinken. Der VSE sieht tiefere Energiekosten als Hauptgrund.

Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 erneut tiefer ausfallen als im Vorjahr. Das zeigt die jährlich durchgeführte Strompreisumfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE). Ausschlaggebend sind vor allem sinkende Preise an den Stromgrosshandelsmärkten und langfristige Beschaffungsstrategien der Energieversorgungsunternehmen.

An der Umfrage nahmen 75 von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen (EVU) teil. 35 EVU konnten bereits konkrete Stromtarife für 2027 angeben. Weitere 40 EVU beantworteten die Umfrage qualitativ.

VSE-Umfrage zeigt sinkende Stromtarife für Haushalte

Bei den 35 EVU mit konkreten Angaben sinken die Tarife im Median um rund 6% für H4-Haushaltskunden. Für H2-Haushaltskunden beträgt der Rückgang 3%. Auch Unternehmen dürften entlastet werden, da die Tarife für C3- und C4-Kunden im Median um 7% beziehungsweise 4% sinken.

Für H4-Haushaltskunden liegt der Median gemäss Umfrage 2027 bei 26.6 Rp./kWh. Im Vorjahr lag der Wert bei denselben EVU bei 28.6 Rp./kWh. 2024 betrug der Median noch 33.0 Rp./kWh.

Damit setzt sich die Abwärtsbewegung nach der Energiekrise fort, die durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde. Auch die EVU ohne konkrete Tarifangaben melden mehrheitlich sinkende oder gleichbleibende Stromtarife für 2027.

Eckwerte der VSE-Strompreisumfrage

  • 75 von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen nahmen an der Umfrage teil.
  • 35 EVU konnten bereits konkrete Stromtarife für 2027 angeben.
  • Der Median für H4-Haushaltskunden sinkt von 28.6 auf 26.6 Rp./kWh.
  • Die Tarife für C3- und C4-Kunden sinken im Median um 7% beziehungsweise 4%.

Energietarife sinken wegen tieferer Marktpreise

Die Energietarife sinken je nach Kundengruppe im Durchschnitt um 6 bis 15%. Sie tragen damit massgeblich zu den tieferen Stromtarifen in der Grundversorgung bei. Hauptgrund sind rückläufige Preise auf den Stromgrosshandelsmärkten.

Zwar führte der Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 zu einem Anstieg der Strompreise auf dem Terminmarkt. Dieser Effekt schlägt sich laut VSE vorerst kaum in den aktuellen Tarifen nieder. Die langfristigen Beschaffungsstrategien der EVU wirken in einem angespannten geopolitischen Umfeld stabilisierend.

Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes setzen die EVU stärker auf eine längerfristige Beschaffung. 75% beschaffen die Energie am Markt mehrheitlich langfristig, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus. 25% wählen kürzere Beschaffungsfristen oder kombinieren kurz-, mittel- und langfristige Beschaffung.

Netztarife bleiben im Mittel stabil

Die Netztarife bleiben 2027 im Vergleich zu 2026 im Mittel stabil. Während der Tarif für das Verteilnetz leicht steigt, sinkt der Tarif für das Übertragungsnetz. Damit gleichen sich gegenläufige Entwicklungen teilweise aus.

Swissgrid kann die Kosten in den Bereichen Engpassmanagement und Systemdienstleistungen senken. Davon profitieren sowohl Haushalte als auch Unternehmen. Auf Ebene der Verteilnetze hängt die Tarifentwicklung stark vom jeweiligen Netzgebiet ab.

Massgebend sind dort unter anderem Investitionen in Netzausbau und Netzverstärkungen. Die Netznutzung bleibt deshalb ein zentraler Bestandteil des Strompreises, auch wenn die Energiekosten aktuell stärker zur Entlastung beitragen.

Definitive Stromtarife werden im September publiziert

Die definitiven Stromtarife für die Grundversorgung müssen die rund 580 Grundversorger bis spätestens Ende August ihren Kundinnen und Kunden sowie der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) melden. Die ElCom veröffentlicht sämtliche Tarife Anfang September.

Der Strompreis setzt sich aus fünf Komponenten zusammen. Dazu gehören der Energietarif, der Netznutzungstarif, der Messtarif, Abgaben an Kantone und Gemeinden sowie der Netzzuschlag von 2.3 Rp./kWh zur Förderung erneuerbarer Energien.

Massgebend für die Höhe des Strompreises sind insbesondere der Energie- und der Netznutzungstarif. Ab 2026 sind zudem die Kosten für Messdienstleistungen separat auszuweisen.

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