
Oesterreichs Energie Kongress 2026 Energiezukunft als Teamprojekt
Mehr als 800 Teilnehmende diskutierten beim Oesterreichs Energie Kongress 2026 in der Wiener Hofburg über die Transformation des Energiesystems. Im Mittelpunkt standen Versorgungssicherheit, Netzausbau, Speicher, Digitalisierung und Cyber Security. Im Rahmen des Kongresses wurden zudem der Roland-Langthaler-Preis und der Oesterreichs Energie-Preis 2026 verliehen.

Rekordbeteiligung beim Oesterreichs Energie Kongress
Der Oesterreichs Energie Kongress 2026 hat mit mehr als 800 Teilnehmenden eine Rekordbeteiligung erreicht. Über 70 Sponsoren und Aussteller waren bei der Veranstaltung in der Wiener Hofburg vertreten. Unter dem Motto «Zukunft unter Strom» diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die zentralen Herausforderungen der Transformation des Energiesystems.
Die Themen reichten vom Ausbau erneuerbarer Energien über Netze und Speicher bis zu Digitalisierung, Cyber Security und hybriden Bedrohungen. Ein zentrales Motiv des Kongresses war dabei die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure.
«Wenn ich in den Raum blicke, sehe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Energiebranche, aber eines eint uns: Wir alle wollen eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft.»
Weitere Beiträge zum Thema
Energiepolitik weit oben auf der Regierungsagenda
Bundespräsident Alexander van der Bellen stellte in seiner Grussbotschaft die Unabhängigkeit der Energieversorgung in den Mittelpunkt. Er betonte die Bedeutung sauberer alternativer Technologien und der weiteren Dekarbonisierung der Industrie.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer skizzierte die energie- und industriepolitischen Vorhaben der Bundesregierung. Versorgungssicherheit und leistbare Energie müssten nach seinen Aussagen eine hohe politische Priorität erhalten. Mehr Unabhängigkeit und niedrigere Preise seien nur durch einen weiteren Ausbau möglich.
Hattmannsdorfer sprach sich unter anderem für schnellere UVP-Verfahren sowie den Ausbau von Wasserkraft und Pumpspeicherkraftwerken aus. Die Wasserkraft werde das Rückgrat der österreichischen Stromversorgung bleiben.
Oesterreichs Energie Kongress 2026
- Mehr als 800 Teilnehmende
- Über 70 Sponsoren und Aussteller
- Motto: «Zukunft unter Strom»
- Schwerpunkte: Erneuerbare, Netze, Speicher, Digitalisierung und Cyber Security
- Austragungsort: Wiener Hofburg
Transformation als gemeinsames Projekt
Michael Baminger, neuer Präsident von Oesterreichs Energie, rief dazu auf, die Transformation des Energiesektors als gemeinschaftliches Projekt zu verstehen. Im Mittelpunkt müsse dabei die konkrete Umsetzung stehen.
«Wir müssen den Umbau als Teamplay verstehen. Nicht als Grossprojekt für irgendwann, sondern jetzt im Alltag.»
Baminger stellte dabei die Kundinnen und Kunden ins Zentrum der Transformation. Für die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz brauche es eine verständliche Erklärung, weshalb die Veränderungen erforderlich seien. Der Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern, die Modernisierung bestehender Anlagen, Digitalisierung, neue Technologien und der Schutz kritischer Infrastruktur müssten konsequent vorangetrieben werden.
25 Jahre Strommarktliberalisierung
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die Bilanz nach 25 Jahren Strommarktliberalisierung. In einem Panel wurden die Erfahrungen aus einem Vierteljahrhundert Wettbewerb und Marktöffnung sowie aktuelle Herausforderungen angesichts der geopolitischen Lage diskutiert.
Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie Speicher, flexible Tarife und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen das Stromsystem entlasten und Kosten senken können. Weitere Impulse kamen unter anderem von Herbert Diess, Aufsichtsratsvorsitzender der Infineon Technologies AG, und Zukunftsforscherin Florence Gaub, Forschungsdirektorin am NATO Defense College.
Cybersicherheit von PV-Wechselrichtern ausgezeichnet
Cyber Security war nicht nur Bestandteil des Kongressprogramms. Oesterreichs Energie und VERBUND verliehen im Rahmen der Veranstaltung auch den Roland-Langthaler-Preis 2026 an Stefan Übermasser, Oliver Jung, Matthias Eckhart und Michael Denk. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Cybersicherheit von PV-Wechselrichtern und deren Bedeutung für die Resilienz des Stromsystems.
Moderne Wechselrichter sind digital vernetzt, softwaregesteuert und teilweise in cloudbasierte Infrastrukturen ihrer Hersteller eingebunden. Damit werden sie selbst zu einem Bestandteil der digitalen Infrastruktur des Stromsystems.
Die ausgezeichnete Arbeit untersucht deshalb, welche Folgen entstehen könnten, wenn nicht nur einzelne Wechselrichter, sondern zahlreiche Geräte gleichzeitig beeinflusst werden. Neben dem technischen Bedrohungsbild werden mögliche Auswirkungen auf den Netzbetrieb und der regulatorische Rahmen betrachtet.
«Versorgungssicherheit wird zunehmend auch zu einer Frage der Cybersicherheit. Wer die Resilienz unseres Stromsystems stärken will, muss systemisch denken und potenzielle Risiken frühzeitig erkennen.»
Der Roland-Langthaler-Preis wurde 2025 von Oesterreichs Energie und VERBUND ins Leben gerufen. Das Thema 2026 lautete «Resilienz in Zeiten globaler Umbrüche: Wie gestaltet Europa seine Energiezukunft?». Das ausgezeichnete Team erhält einen Gutschein im Wert von 5'000 Euro für energiewirtschaftliche Fortbildungen bei der Oesterreichs Energie Akademie.
Vier Nachwuchstalente ausgezeichnet
Auch der Oesterreichs Energie-Preis 2026 wurde im Rahmen des Kongresses verliehen. Oesterreichs Energie zeichnete am 16. September gemeinsam mit dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik vier Nachwuchstalente in drei Kategorien aus.
Jasmin Mensik von der Universität für Bodenkultur Wien erhielt die mit 3'000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Dissertation. Ihre Arbeit untersucht hybride Stromspeicher in vollständig erneuerbaren Stromsystemen und mögliche Effizienzgewinne durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Speichertechnologien.
Gregor Maria Schöpf von der Technischen Universität Graz wurde für seine Masterarbeit zur Bewertung von Grid-Forming-Algorithmen mit Hardware-in-the-Loop-Tests ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2'500 Euro dotiert.
Benjamin Kloibhofer und Luka Edler von der HTL BULME Graz-Gösting wurden für ihre Abschlussarbeit «From Waste to Energy – KI für nachhaltigere Photovoltaik» ausgezeichnet. Die Arbeit verbindet künstliche Intelligenz und Photovoltaik mit dem Ziel, PV-Anwendungen nachhaltiger zu gestalten. Beide erhalten jeweils 1'000 Euro.
Der Oesterreichs Energie-Preis wird seit 2010 jährlich vergeben und zeichnet Abschlussarbeiten an HTLs, Fachhochschulen und Universitäten sowie Dissertationen aus. Die Themen reichen von Energieerzeugung und Netzen über Speicher und Nachhaltigkeit bis zur Digitalisierung.
Netze, Digitalisierung und Resilienz im Zentrum
Die drei Meldungen des Kongresses zeigen die thematische Bandbreite der aktuellen Herausforderungen für die Energiewirtschaft. Neben dem Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern gewinnen Digitalisierung und der Schutz der zunehmend vernetzten Energieinfrastruktur an Bedeutung. Gleichzeitig sollen wissenschaftliche und technische Nachwuchsarbeiten neue Impulse für die Weiterentwicklung des Stromsystems liefern.



