Symbolbild zu den neuen Stromtarifen Schweizer Energieversorger mit Stromnetz und Energieversorgung
Erste Schweizer Energieversorger legen ihre neuen Stromtarife fest. Die Entwicklung reicht von sinkenden Preisen bis zu deutlichen Erhöhungen. zvg
Tarife & Abgaben 9. August 2026 · 5 Min Lesezeit

Stromtarife 2027 Erste Versorger legen neue Preise fest

Erste Schweizer Energieversorger konkretisieren ihre neuen Stromtarife. Die Entwicklung reicht von Preissenkungen bis zu deutlichen Erhöhungen.

Die Vorbereitungen für die Stromtarife des kommenden Jahres werden konkreter. Während die Gemeindewerke Villmergen und das Elektrizitätswerk Andelfingen sinkende Preise ankündigen, müssen Kundinnen und Kunden in Fällanden trotz tieferer Beschaffungskosten mit höheren Tarifen rechnen. Dintikon hat seine neuen Tarifblätter bereits veröffentlicht.

Übergeordnet bestätigt sich damit die Tendenz aus der Strompreisumfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE). Bei den Unternehmen, die bereits konkrete Angaben machen konnten, gehen die Grundversorgungstarife im Median zurück. Wie stark diese Entlastung bei den einzelnen Versorgern ausfällt, hängt jedoch nicht nur von den Energiepreisen, sondern auch von Netzkosten, früheren Unterdeckungen und der jeweiligen Tarifstruktur ab.

Erste Signale zu den neuen Stromtarifen

  • Villmergen erwartet sinkende Strompreise und führt für die Basiskundengruppe eine Leistungskomponente ein.
  • Fällanden erhöht die Strompreise je nach Kundengruppe um 9,9 bis 13,6 Prozent.
  • Andelfingen kündigt insgesamt sinkende Stromtarife an.
  • Dintikon hat die neuen Tarifblätter bereits online veröffentlicht.
  • Die ibw Wohlen erwartet stabile oder leicht sinkende Strom- und Gaspreise.
  • Der VSE rechnet im Median erneut mit sinkenden Grundversorgungstarifen.

Villmergen senkt Grundpreis und führt Leistungskomponente ein

Die Gemeindewerke Villmergen erwarten für das kommende Jahr eine weitere Senkung der Strompreise. Per 1. Januar sinkt der monatliche Grundpreis. Gleichzeitig wird die Tarifstruktur für die Basiskundengruppe mit einem Jahresverbrauch bis 50’000 Kilowattstunden angepasst.

Neu führen die Gemeindewerke eine Leistungskomponente ein. Massgebend ist dabei die höchste Leistungsspitze. Auch bei den öffentlichen Abgaben wird eine Senkung erwartet.

Eine weitere Änderung betrifft die Einspeisung von Solarstrom. Die Vergütung soll künftig stärker an den Marktverhältnissen ausgerichtet werden. Da die Gemeindewerke nur geringe eigene Produktionskapazitäten besitzen und den überwiegenden Teil der Energie am Markt beschaffen, bleibt die weitere Preisentwicklung wesentlich von den Beschaffungskosten abhängig.

Fällanden erhöht Tarife trotz tieferer Beschaffungskosten

Das Elektrizitätswerk Fällanden (EWF) hat die Energie- und Netztarife sowie die Dienstleistungspreise für das Jahr 2027 festgelegt. Gemäss den gesetzlichen Vorgaben muss das EWF eine transparente Preisgestaltung gewährleisten und die ab dem 1. Januar 2027 geltenden Energie- und Netznutzungspreise bis spätestens 31. August 2026 veröffentlichen.

Bei der Tarifkalkulation zeigt sich zunächst eine Entlastung bei der Energiebeschaffung. Aufgrund der aktuellen Situation am Energiemarkt sinken die spezifischen Beschaffungskosten von 10,98 Rp./kWh im Jahr 2026 auf voraussichtlich rund 9,79 Rp./kWh im Jahr 2027.

Trotz der tieferen Beschaffungskosten wird der Tarif in der Grundversorgung erhöht. Mit den zusätzlichen Einnahmen sollen Unterdeckungen aus vergangenen Jahren ausgeglichen werden. Diese bestehen gemäss Gemeinde mehrheitlich im Bereich des Stromnetzes und müssen in den kommenden Tarifen abgebaut werden.

Für die Kundinnen und Kunden führt dies dazu, dass der Strompreis im Jahr 2027 je nach Kundengruppe zwischen 9,9 und 13,6 Prozent höher ausfallen wird. Das Beispiel Fällanden zeigt damit deutlich, dass sinkende Energie-Beschaffungskosten nicht automatisch zu tieferen Endkundentarifen führen. Neben der Energiebeschaffung beeinflussen insbesondere die Netzkosten sowie bestehende Über- und Unterdeckungen die Tarifentwicklung.

Das Tarifblatt 2027 mit den detaillierten Energie- und Netztarifen wird ab dem 31. August 2026 auf der Internetseite der Gemeinde Fällanden sowie in der systematischen Rechtssammlung publiziert.

Andelfingen beschliesst insgesamt tiefere Stromtarife

Auch das Elektrizitätswerk Andelfingen hat seine neuen Stromtarife bereits beschlossen. Der Gemeinderat setzte die Tarife mit Beschluss Nr. 72 vom 28. Juli fest. Sie gelten ab dem 1. Januar.

Gegenüber dem laufenden Jahr sollen die Stromtarife insgesamt sinken. Konkrete Preise oder Angaben zur Höhe der Reduktion wurden in der veröffentlichten Mitteilung nicht genannt.

Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss liegt seit dem 31. Juli bei der Gemeindeverwaltung zur Einsicht auf. Zusätzlich wurde der Entscheid im digitalen Amtsblattportal der Schweiz publiziert.

Dintikon veröffentlicht neue Stromtarife bereits online

Die Elektrizitätsversorgung Dintikon hat ihre neuen Stromtarife bereits vollständig online bereitgestellt. Seit dem 7. August stehen mehrere Tarifblätter für unterschiedliche Kundengruppen zur Verfügung.

Publiziert wurden Tarife für Hochspannungsbezüger, Haushalte, Niederspannungs-Grossbezüger und temporäre Anschlüsse. Zusätzlich ist die neue Einspeisevergütung abrufbar.

Eine zusammenfassende Angabe zur Preisentwicklung gegenüber dem laufenden Jahr enthält die Veröffentlichung nicht. Damit gehören die neuen Tarifblätter aus Dintikon jedoch zu den ersten bereits öffentlich verfügbaren vollständigen Tarifpublikationen.

ibw erwartet stabile bis leicht sinkende Energiepreise

Die ibw Wohlen hat noch keine definitiven Tarife veröffentlicht. Im Rahmen der Information zum Geschäftsjahr 2025 gab das Unternehmen jedoch einen ersten Ausblick auf die Entwicklung der Energiepreise.

Nach aktueller Einschätzung dürften sowohl die Strom- als auch die Gaspreise stabil bleiben oder leicht sinken. Als Grundlage nennt die ibw ihre vorausschauende Beschaffungsstrategie, mit der Energie weiterhin zu günstigen Bedingungen eingekauft werden könne.

Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass Mehrkosten in anderen Bereichen die günstigere Energiebeschaffung teilweise oder vollständig kompensieren könnten. Die definitiven Strom- und Gaspreise sollen im Herbst veröffentlicht werden.

VSE sieht sinkende Strompreise in der Grundversorgung

Die bisher veröffentlichten Entwicklungen passen insgesamt zur Strompreisumfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. Von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen beteiligten sich 75 an der Erhebung. Davon konnten 35 bereits konkrete Tarife nennen, weitere 40 schätzten die erwartete Entwicklung qualitativ ein.

Bei den Unternehmen mit konkreten Angaben sinkt der Median für einen H4-Haushalt um rund sechs Prozent und für einen H2-Haushalt um rund drei Prozent. Bei den Gewerbekategorien C3 und C4 liegen die Rückgänge im Median bei sieben beziehungsweise vier Prozent.

Für einen H4-Haushalt beträgt der Median 26,6 Rp./kWh gegenüber 28,6 Rp./kWh im laufenden Jahr. Als Hauptgrund für die Entwicklung nennt der VSE die rückläufigen Preise auf den Stromgrosshandelsmärkten. Die Netztarife bleiben im Durchschnitt stabil. Die definitiven Tarife der Grundversorger müssen bis Ende August veröffentlicht und der ElCom gemeldet werden.

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