Über 500 Vertreter:innen aus Energie, Politik, Wirtschaft und Forschung debattierten am Schweizer Stromkongress 2026 im Kursaal Bern über die Herausforderungen des Schweizer Energiesystems. Veranstaltet wurde der Schweizer Stromkongress von den Dachverbänden Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Electrosuisse. Im Zentrum standen Versorgungssicherheit, erschwingliche Preise, Dekarbonisierung, die Umsetzung des neuen Stromgesetzes sowie die Zusammenarbeit mit der EU.
Die Diskussionen zeigten, dass der «Gap» zwischen aktuellem Stand und den angestrebten Zielen aus Sicht der Branche zu gross ist. Mehrere Referate und Podien drehten sich um das Winterhalbjahr, die Rolle der Netze und die Frage, wie Europa in ein zunehmend elektrifiziertes System integriert werden soll. Ein wiederkehrendes Thema war zudem der regulatorische Druck und die Forderung nach schneller umsetzbaren Massnahmen.
Schweizer Stromkongress 2026 – kurz und bündig
- Winterhalbjahr im Fokus: mehr erneuerbare Winterproduktion und zusätzliche Kapazitäten zur Schliessung absehbarer Lücken.
- Netze als Engpass: beschleunigter Netzausbau, bessere Investitionsbedingungen und raschere Bewilligungsverfahren.
- Europa als Faktor: Stromabkommen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit für Stabilität und Versorgungssicherheit.
Schweizer Stromkongress 2026: VSE-Präsident Martin Schwab fordert Winterfokus
VSE-Präsident Martin Schwab, CEO von CKW, plädierte am Schweizer Stromkongress 2026 für eine konsequente Umsetzung der gesetzlich festgelegten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien mit besonderem Fokus auf die Winterproduktion. Dabei betonte er, dass knappe Fördermittel gezielt eingesetzt werden sollen. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung von Netzausbau, europäischer Integration und Speicherkapazitäten für eine günstige, nachhaltige und sichere Stromversorgung.
Es braucht jetzt die konsequente Umsetzung der gesetzlich festgelegten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien mit Fokus auf Winterproduktion und dabei insbesondere auch auf die alleinige Verwendung der knappen Fördermittel für die Produktion im Winter.
Schwab nannte zudem weitere Bausteine, um die Versorgung im Winterhalbjahr abzusichern. Aus seiner Sicht braucht es neben dem beschleunigten Netzausbau auch eine möglichst gute Integration in Europa und zusätzliche Speicherkapazitäten. Für absehbare Lücken im Winter sprach er von Vorbereitungen für den Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke sowie zusätzlichen Gaskraftwerken.
Ein beschleunigter Ausbau der Stromnetze zusammen mit einer möglichst guten Integration in Europa und dem Ausbau der Speicherkapazitäten ermöglicht eine günstige, nachhaltige und sichere Stromversorgung. Für die absehbaren Lücken im Winter braucht es Vorbereitungen für den Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke und zusätzliche Gaskraftwerke.
VSE Stromversorgungs-Index Schweiz 2026 zeigt Lücke bis 2050
Am Schweizer Stromkongress 2026 wurde auch der neue Schweizer Stromversorgungs-Index 2026 thematisiert, den der VSE am 12. Januar 2026 erstmals publiziert hat. Vorgestellt wurde der Index während des Schweizer Stromkongresses von Nadine Brauchli, Bereichsleiterin Energie beim VSE. Der Index zeigt gemäss VSE eine besorgniserregende Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung, besonders kritisch im Winterhalbjahr.
Als zentrale Handlungsfelder wurden eine verstärkte erneuerbare Winterproduktion, ein beschleunigter Netzausbau und ein Stromabkommen mit der EU genannt. Der Index diente am Schweizer Stromkongress 2026 als Grundlage für die Diskussion, welche Instrumente rasch Wirkung entfalten können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Umsetzung mit langen Verfahren, hohen Anforderungen und knappen Ressourcen kollidiert.
Schweizer Stromkongress: Europa, Elektrifizierung und Stromabkommen im Fokus
In seiner Eröffnungsrede sprach Bernard Fontana, CEO der EDF-Gruppe, über strategische Herausforderungen und Chancen im Energiesektor vor dem Hintergrund der zunehmenden Elektrifizierung. Er betonte am Schweizer Stromkongress die Rolle grenzüberschreitender Partnerschaften und der europäischen Vernetzung für Stabilität und Versorgungssicherheit. Diese europäische Perspektive prägte auch die kontroverse Podiumsdiskussion zum Stromabkommen.
An der Diskussion beteiligten sich Christoph Brand (CEO von Axpo), die Nationalräte Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG), Christian Imark (SVP/SO) und Benoît Gaillard (SP/VD) sowie Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor von Swissmem. Trotz unterschiedlicher Ansichten zu Marktöffnung, Autonomie und Integration herrschte Einigkeit, dass konkrete und schnell umsetzbare Massnahmen nötig sind. Genannt wurden beschleunigte Verfahren, bessere Investitionsbedingungen, der Ausbau erneuerbarer Energien und zusätzliche Kapazitäten, insbesondere für das Winterhalbjahr.
ElCom-Präsident Werner Luginbühl ordnet Grundversorgung ein
Werner Luginbühl, Präsident der ElCom, erinnerte am Schweizer Stromkongress 2026 daran, dass das Stromabkommen einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten kann. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Energiewende angepasste Instrumente und Mechanismen erfordert. Dabei ordnete er die Rolle der Grundversorgung mit Blick auf die Finanzierung des Ausbaus erneuerbarer Energien ein.
Die Grundversorgung ist nicht dafür ausgelegt, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu finanzieren.
Schweizer Stromkongress 2026: Netzausbau als Eckpfeiler der Energiewende
In der Podiumsdiskussion zu den Netzen diskutierten Sylvia Marra (OIKEN), Patrick Bertschy (Romande Energie), Maurice Dierick (RTE) und Nell Reimann (Swissgrid) über die wachsenden Anforderungen an die Strominfrastruktur. Genannt wurden volatile erneuerbare Energien, neue Grossverbraucher wie Rechenzentren, unsichere Bedarfsprognosen, lange Bewilligungsverfahren und fehlende Fachkräfte. Diese Faktoren erschweren Planung und Investitionen und erhöhen den Druck auf die Systemstabilität.
Die Diskussionsteilnehmenden betonten am Schweizer Stromkongress 2026 die Bedeutung eines beschleunigten Netzausbaus, mehr Flexibilität und einer engen regionalen, nationalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Damit verbunden ist die Frage, wie Netze, Speicher und Marktmechanismen besser zusammenspielen. Der Schweizer Stromkongress machte deutlich, dass Netzinfrastruktur und Systemkoordination zentrale Voraussetzungen für die Energiewende sind.
Stromgesetz, Regulierung und Flexibilität: Forderungen der Branche
Mehrere Diskussionen am Schweizer Stromkongress 2026 thematisierten den regulatorischen Druck auf die Akteure der Branche. In der Podiumsdiskussion zum Stromgesetz betonten Patricia Pastoriza (Multidis) und Michael Grober, CEO von Energie Thun, dass die Umsetzung der neuen Anforderungen erhebliche Ressourcen benötigt und schwer vorhersehbare Kosten verursacht. Robert Itschner, CEO von BKW, verwies auf die zunehmende Komplexität und forderte mehr Handlungsspielraum für Innovation.
Die Branche erstickt an Regulierungen. Wir brauchen mehr Freiheit für Innovation.
In diesem Zusammenhang wurde Flexibilität als zentraler Hebel zur Stabilisierung eines zunehmend volatilen Energiesystems hervorgehoben. Itschner betonte die Bedeutung von Preissignalen, damit Flexibilität tatsächlich genutzt werden kann. Kontroverse Akzente zur Solarenergie setzte Noah Heynen, CEO und Mitbegründer von Helion, der dafür plädierte, den Erfolg der Solarenergie stärker zu würdigen.
Preissignale über alle Ebenen müssen beim Kunden ankommen. Nur so kann die Flexibilität im System genutzt werden
Die Schweiz steht an einem energiepolitischen Wendepunkt. Die notwendigen Massnahmen liegen auf dem Tisch. Jetzt sind gezielte Investitionen in neue, winterfokussierte Produktionskapazitäten sowie deutlich beschleunigte Bewilligungsverfahren erforderlich, um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu gewährleisten
Schweizer Stromkongress: Benoît Revaz schliesst mit Delamuraz-Zitat
Zum Abschluss des Schweizer Stromkongresses 2026 betonte BFE-Direktor Benoît Revaz die Leitlinien der Energiepolitik des Bundes. Er dankte dem VSE für die Lancierung des neuen Indexes, der aus seiner Sicht auf einfache Weise zeigt, dass in der Energieversorgung noch viel zu tun ist. Gleichzeitig erinnerte Revaz daran, dass das «Age of Electricity» begonnen hat und alle Schweizerinnen und Schweizer vor denselben Herausforderungen stehen.
In diesem Kontext zitierte Revaz Bundesrat Delamuraz. Das Zitat setzte den Schlusspunkt unter zwei Tage Diskussionen zu Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur, Winterproduktion und europäischer Zusammenarbeit. Der Schweizer Stromkongress 2026 bündelte damit zentrale energiepolitische Spannungsfelder in einem kompakten Überblick.
Die Schweizer stehen früh auf, aber erwachen spät.







