Stromversorgungs-Index zeigt kritische Entwicklung

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE hat erstmals den Stromversorgungs-Index Schweiz publiziert. Der Index dient als Frühwarnsystem für die künftige Stromversorgung und legt den Fokus auf das Winterhalbjahr. In dieser Zeit steht die Schweiz vor den grössten Herausforderungen.

Der Index erreicht im Jahr 2035 einen Wert von 82 Punkten. Für das Jahr 2050 sinkt der prognostizierte Versorgungsgrad auf 69 Punkte. Damit wird der Zielwert von 100 Punkten deutlich verfehlt.

Besonders ohne Stromabkommen mit der EU bleiben Import- und Exportmöglichkeiten eingeschränkt. Dies verschärft die Situation zusätzlich in Mangellagen.

VSE Stromversorgungs-Index Schweiz

  • 2035: 82 Punkte
  • 2050: 69 Punkte
  • Fokus auf Winterhalbjahr

Ursachen der Versorgungslücke bis 2050

Ab 2040 verschlechtert sich der Index deutlich. Gründe dafür sind der steigende Strombedarf durch Elektromobilität und neue Anwendungen sowie der geplante Ausstieg aus der Kernenergie.

Die Winterproduktion aus erneuerbaren Energien bleibt klar hinter den gesetzlichen Zielen zurück. Der Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und alpiner Photovoltaik kommt nur schleppend voran. Gleichzeitig verzögert sich der Netzausbau bei rund der Hälfte der Projekte.

Der VSE weist darauf hin, dass Stromimporte keine beliebig verfügbare Lösung darstellen. In Mangellagen stehen oft auch den Nachbarländern nur begrenzte Exportkapazitäten zur Verfügung.

Der VSE Stromversorgungs-Index zeigt klar: Die Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. Wir müssen jetzt handeln, um die Versorgungssicherheit von morgen zu gewährleisten.
Martin Schwab Präsident, VSE

Fünf Indikatoren ausserhalb des Zielpfads

Der Stromversorgungs-Index setzt sich aus fünf Indikatoren zusammen. Keiner dieser Bereiche befindet sich auf Zielkurs.

Die Stromnachfrage liegt 2050 bei 86 Punkten. Effizienzsteigerungen und intelligentes Lastmanagement sind notwendig, um Verbrauchsspitzen zu reduzieren.

Bei den erneuerbaren Energien werden lediglich 83 Punkte erreicht. Insbesondere die fehlende Winterproduktion verhindert das Erreichen der gesetzlichen Vorgaben.

Flexibilität und zusätzliche Stromproduktion

Der Indikator Flexibilität erreicht 2050 nur 52 Punkte. Saisonale Speicherprojekte kommen langsamer voran als geplant. Der Bund strebt 2 TWh bis 2040 an, realistisch sind derzeit rund 1 TWh.

Zusätzliche Stromproduktion liegt bei 63 Punkten. Ab 2040 entsteht ein deutlicher Mehrbedarf, insbesondere im Winter. Ohne neue Produktionskapazitäten drohen erhebliche Versorgungslücken.

Netzausbau und Stromabkommen als Schlüssel

Der Netzausbau erreicht 2050 lediglich 57 Punkte. Verzögerte Bewilligungsverfahren und fehlende Grenzkapazitäten ohne Stromabkommen verschärfen die Lage.

Der VSE fordert die rasche Umsetzung eines Stromabkommens mit der EU sowie eine Beschleunigung des Netzausbaus. Der sogenannte Netzexpress soll Verfahren vereinfachen und Projekte beschleunigen.

Die Ergebnisse sind ein Weckruf: Ohne rasches Handeln droht der Schweiz eine Versorgungslücke – vor allem im Winter.
Michael Frank Direktor, VSE

Zielbild für die Stromversorgung 2050

Für das Jahr 2050 beschreibt der VSE ein klares Zielbild. Effizienzsteigerungen sollen umgesetzt sein. Die Winterstromproduktion wird durch Wasserkraft, Windkraft und alpine Photovoltaik gesichert.

Zusätzliche flexible Produktionskapazitäten, ausgebaute Speicher und ein modernes Stromnetz bilden die Grundlage für eine stabile Versorgung. Ohne entschlossene politische und gesellschaftliche Entscheidungen bleibt dieses Ziel jedoch unerreichbar.