
EKZ startet Bau des Seewasser-Wärmeverbunds in Berlingen
EKZ baut in Berlingen einen Wärmeverbund mit Energie aus dem Untersee. Bis zu 40 Prozent der Haushalte sollen künftig erneuerbare Wärme beziehen.
Mit dem offiziellen Spatenstich am 30. Oktober 2026 haben die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), die Gemeinde Berlingen und der Kanton Thurgau den Bau eines neuen Wärmeverbunds gestartet. Das Projekt soll die Wärmeversorgung der Gemeinde langfristig von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energie aus dem Untersee umstellen. Die ersten Liegenschaften sollen ab Ende 2027 mit Wärme versorgt werden.
Im Endausbau ist vorgesehen, Gewerbebetriebe, Pflegeeinrichtungen und bis zu 40 Prozent der Haushalte in Berlingen an das neue Fernwärmenetz anzuschliessen. Zu den grössten Kunden gehört das Tertianum Neutal. Insbesondere Gebäude entlang der Seestrasse, die bisher mehrheitlich mit Gas beheizt werden, sollen künftig Seewasserwärme nutzen.
Wärmeverbund Berlingen im Überblick
- Baustart: 30. Oktober 2026
- Erste Wärmelieferungen: ab Ende 2027
- Versorgung: bis zu 40 Prozent der Haushalte im Endausbau
- Energiequelle: Seewasser aus rund 30 Metern Tiefe
- Wärmeanteil aus dem See: rund zwei Drittel
- Projektentwicklung und Betrieb: EKZ
- Vertragslaufzeit: 50 Jahre
EKZ koordiniert Fernwärmeausbau mit Sanierung der Seestrasse
Die Bauarbeiten für den Wärmeverbund werden grösstenteils mit der geplanten Sanierung der Seestrasse koordiniert. Dadurch können die erforderlichen Leitungen gleichzeitig mit den Strassenbauarbeiten verlegt werden. Dies reduziert zusätzliche Eingriffe in die Verkehrsinfrastruktur und ermöglicht eine effizientere Bauabwicklung.
Zu den zentralen Projektetappen gehören der Bau einer Seewasserzentrale auf dem Gelände des Tertianum, die Errichtung einer Heizzentrale in der Unterseehalle Berlingen sowie die Verlegung des Wärmeverteilnetzes. Ein grosser Teil der Bauarbeiten wird von regionalen Unternehmen ausgeführt.
Die ersten angeschlossenen Gebäude sollen ab Ende 2027 Wärme aus dem neuen Verbund beziehen. Anschliessend kann die Versorgung entsprechend dem Ausbau des Leitungsnetzes erweitert werden.
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Seewasser aus dem Untersee liefert zwei Drittel der Wärme
Das technische Konzept basiert auf der Nutzung der im Untersee gespeicherten thermischen Energie. In rund 30 Metern Tiefe wird Seewasser mit einer Temperatur von etwa vier Grad Celsius entnommen und zur Seewasserzentrale transportiert.
Von dort gelangt die Energie zur Heizzentrale in der Unterseehalle. Über einen Wärmetauscher wird dem Seewasser Wärme entzogen und auf ein Kältemittel übertragen. Eine elektrisch betriebene Wärmepumpe hebt anschliessend das Temperaturniveau auf die für die Gebäudeheizung erforderliche Höhe.
Rund zwei Drittel der erzeugten Wärme stammen aus dem Untersee. Das verbleibende Drittel wird durch den Strom für den Betrieb der Wärmepumpen bereitgestellt. Das abgekühlte Seewasser wird wieder in den Untersee zurückgeführt. Der Seewasserkreislauf und das Heizungswasser der angeschlossenen Gebäude bleiben dabei vollständig voneinander getrennt.
Kanton Thurgau und Gemeinde Berlingen unterstützen das Projekt
Der neue Wärmeverbund ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Energie- und Klimapolitik. Durch den Ersatz bestehender fossiler Heizsysteme sollen die CO2-Emissionen der Wärmeversorgung langfristig reduziert werden.
Walter Schönholzer, Regierungsrat des Kantons Thurgau, betont die Bedeutung des Projekts für die kantonalen Energieziele:
«Mit dem neuen Wärmeverbund werden fossile Heizungen durch klimafreundliche, erneuerbare Wärme aus dem Untersee ersetzt. Das Projekt leistet damit einen grossen Beitrag zu den Energie- und Klimazielen des Kantons Thurgau. Ich gratuliere der Gemeinde Berlingen für die Weitsicht und den Mut, dieses wegweisende Projekt zu realisieren.»
Auch die Gemeinde Berlingen sieht in der neuen Infrastruktur einen wichtigen Schritt für ihre zukünftige Wärmeversorgung. Gemeindepräsident Ueli Oswald hebt insbesondere die langfristige Zusammenarbeit mit EKZ hervor.
«Für unsere Gemeinde ist die Realisierung des Fernwärmeverbunds ein Meilenstein. Der Wärmeverbund mit Seewassernutzung bietet allen Liegenschaftsbesitzern an der Seestrasse die Möglichkeit, sich an eine ökologische und zukunftsweisende Wärmeversorgung anzuschliessen. Wir sind froh, dass wir mit EKZ einen kompetenten und zuverlässigen Partner für die Projektierung, den Bau und den Betrieb des neuen Wärmeverbunds verpflichten konnten.»
EKZ übernimmt Finanzierung und Betrieb für 50 Jahre
EKZ realisiert den Wärmeverbund in Berlingen im Contracting-Modell. Das Energieunternehmen übernimmt dabei die vollständige Planung, Finanzierung und Erstellung der Anlagen sowie deren langfristigen Betrieb und Unterhalt.
Die vereinbarte Laufzeit beträgt für das Projekt in Berlingen 50 Jahre. Damit erhalten die Gemeinde und die angeschlossenen Liegenschaftseigentümer eine langfristig organisierte Wärmeversorgung, ohne die gesamte technische Infrastruktur selbst betreiben zu müssen.
Thomas März, Leiter Markt und Mitglied der EKZ-Geschäftsleitung, sieht darin einen wesentlichen Bestandteil der Unternehmensstrategie:
«Für EKZ steht im Zentrum, unsere Kundinnen und Kunden mit einfachen Energielösungen zu unterstützen, die zu ihren Bedürfnissen passen. Der Wärmeverbund in Berlingen zeigt, wie wir diese Strategie in der Praxis umsetzen: Es handelt sich um ein partnerschaftlich erarbeitetes und zukunftsfähiges Projekt, das der Gemeinde und deren Bevölkerung konkreten Nutzen bringt und zur Erreichung der Energie- und Klimaziele beiträgt.»
EKZ betreibt schweizweit bereits mehr als 40 Wärmeverbünde. Das Unternehmen setzt dabei auf projektspezifische Lösungen, die technische, ökologische und wirtschaftliche Anforderungen miteinander verbinden. Der Wärmeverbund Berlingen erweitert dieses Portfolio um eine Anlage zur Nutzung von Seewasser als erneuerbare Wärmequelle.



