Stromnetzinfrastruktur als Symbol für die Trennung von Netzbetrieb und Stromhandel
Eine Trennung von Stromnetz und Stromhandel soll nach Ansicht der Ökostromanbieter Marktkonzentration verhindern. © naturstrom AG/D. Czech
Strategie 13. August 2026 · 3 Min Lesezeit

Ökostromer Bundesnetzagentur soll Amprion-Deal prüfen

Vier Ökostromanbieter warnen vor mehr Marktkonzentration durch RWE und verlangen eine neue Zertifizierung von Amprion durch die Bundesnetzagentur.

Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG, sieht die Strommarkt-Liberalisierung in Gefahr © naturstrom AG
Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG, sieht die Strommarkt-Liberalisierung in Gefahr © naturstrom AG

Die Öko-Energieversorger Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Green Planet Energy und naturstrom kritisieren die geplante Aufstockung der RWE-Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. RWE will seinen Anteil nach Angaben der Unternehmen von 20 auf rund 55 Prozent erhöhen und damit die Kontrolle über Amprion erlangen.

Die vier Unternehmen sehen darin Risiken für Wettbewerb, Unabhängigkeit des Netzbetriebs und den diskriminierungsfreien Zugang zum Stromnetz. Sie fordern die Bundesnetzagentur deshalb auf, die veränderten Eigentumsverhältnisse in einem neuen Zertifizierungsverfahren nach §§ 4a ff. Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) umfassend zu prüfen.

Kritik an der geplanten Amprion-Übernahme

  • RWE will seinen Anteil an Amprion von 20 auf rund 55 Prozent erhöhen.
  • Bürgerwerke, EWS, Green Planet Energy und naturstrom sehen Risiken für Wettbewerb und Unbundling.
  • Die Unternehmen verlangen von der Bundesnetzagentur ein neues Zertifizierungsverfahren.
  • Im Fokus stehen Netzunabhängigkeit, Gleichbehandlung und der Schutz sensibler Informationen.

Ökostromer sehen Unbundling-Prinzip gefährdet

Im Zentrum der Kritik steht die Trennung zwischen Netzbetrieb und wettbewerblichen Aktivitäten im Energiemarkt. Die vier Unternehmen befürchten, dass die stärkere Beteiligung von RWE die Marktkonzentration im deutschen Stromsektor erhöht und Interessenkonflikte entstehen könnten.

«Die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarkt-Liberalisierung. Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE widerspricht diesem Unbundling-Prinzip entscheidend und würde eine weitere Marktkonzentration im Stromsektor bedeuten.»
Oliver Hummel Vorstandsvorsitzender, naturstrom

Hummel verweist zudem auf die Stellung von RWE in der Stromerzeugung. Aus Sicht von naturstrom könnte der Zugriff auf Informationen aus dem Netzbetrieb dem Energiekonzern zusätzliche Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Green Planet Energy fordert unabhängigen Netzbetrieb

Green Planet Energy sieht insbesondere die unabhängige Rolle eines Übertragungsnetzbetreibers als zentral an. Übertragungsnetze hätten eine Schlüsselstellung beim Ausbau und bei der Modernisierung des Energiesystems und müssten alle Marktteilnehmer gleich behandeln.

«Wenn Deutschlands grösster Stromerzeuger Mehrheitsgesellschafter eines Übertragungsnetzbetreibers werden will, ist der Interessenkonflikt vorprogrammiert.»
Nils Müller Vorstand, Green Planet Energy

Müller fordert deshalb ein neues Zertifizierungsverfahren durch die Bundesnetzagentur. Dabei müsse geprüft werden, ob die Unabhängigkeit von Amprion weiterhin zweifelsfrei gewährleistet sei.

EWS warnt vor Nachteilen für Batteriespeicher

Die Elektrizitätswerke Schönau richten den Blick besonders auf den Marktzugang von Flexibilitätsanbietern und Batteriespeichern. Übertragungsnetzbetreiber wirken bei Netzanschlüssen mit und entscheiden über Präqualifikationsverfahren für die Teilnahme am Regelleistungsmarkt.

«Wenn RWE, selbst Betreiber von Grossbatteriespeichern, als Übertragungsnetzbetreiber über Marktzugang und Präqualifikation entscheiden kann, drohen Wettbewerbsvorteile für den Konzern.»
Alexander Sladek Vorstand, Elektrizitätswerke Schönau

Nach Einschätzung von EWS könnten dadurch Barrieren für unabhängige Anbieter von Flexibilität entstehen. Betroffen wären damit Technologien, denen die Unternehmen eine wichtige Funktion in einem kosteneffizienten und klimaneutralen Stromsystem zuschreiben.

Bürgerwerke warnen vor neuer Machtkonzentration

Die Bürgerwerke stellen zusätzlich die Struktur des Energiemarkts und die Beteiligungsmöglichkeiten dezentraler Akteure in den Mittelpunkt. Wind- und Solaranlagen ermöglichten eine lokale Beteiligung an der Stromerzeugung, während die Stromnetze als natürliche Monopole eine besondere Stellung einnähmen.

«Wenn ein Energiekonzern den Netzbetrieb beeinflussen kann, droht eine erneute Machtkonzentration bei Grossunternehmen. Eine Re-Oligopolisierung der Energiewirtschaft würde die Energiewende ausbremsen.»
Felix Schäfer Vorstand, Bürgerwerke

Die vier Ökostromanbieter verlangen, dass in einem neuen Zertifizierungsverfahren transparent nachgewiesen wird, dass Amprion unabhängig handelt, sämtliche Marktteilnehmer gleichbehandelt und sensible Informationen aus dem Netzbetrieb geschützt bleiben.

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