
Oesterreichs Energie Erneuerbare senken Strompreise
Der Energiekongress rückt erneuerbare Energien, Netze und Speicher als Grundlage für leistbaren und sicheren Strom ins Zentrum.
Der zweite Tag des Oesterreichs Energie Kongresses in der Wiener Hofburg stand im Zeichen der konkreten Umsetzung der Energiewende. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der erneuerbaren Energien, leistungsfähige Stromnetze, Speicher sowie eine engere Abstimmung zwischen Erzeugung und Verbrauch.
Die Diskussionen zeigten, dass leistbarer Strom und Versorgungssicherheit gemeinsam betrachtet werden müssen. Weitere Themen waren die heimische Wertschöpfung, internationale Kooperationen, Elektrifizierung, Tarifgestaltung und künstliche Intelligenz.
Schwerpunkte des Oesterreichs Energie Kongresses
- Erneuerbare Energien können die Strompreise langfristig senken.
- Die Abweichung vom Ausbaupfad kostete Österreichs Stromkundschaft im Vorjahr rund 110 Mio. Euro.
- Netze, Speicher sowie die räumliche und zeitliche Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch bleiben zentral.
- Künstliche Intelligenz bietet Chancen für die Netzsteuerung, erfordert aber hohe Cybersicherheit.
Heimische Wertschöpfung stärkt die Versorgungssicherheit
Erwin Raffeiner, CEO von Sprecher Automation, rückte den Beitrag der Energiewirtschaft zur österreichischen Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt. Leistbare elektrische Energie und ein resilientes Netz könnten internationale Abhängigkeiten verringern. Gleichzeitig müssten Arbeitsplätze und technisches Know-how im Land stärker berücksichtigt werden.
„Wir müssen lokalen Produktionen in den Beschaffungsprozessen viel mehr Gewicht geben.“
Raffeiner sprach sich zudem für realistische Ziele und eine hohe Priorität der Cybersicherheit aus. Rund um die kritische Infrastruktur brauche es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den beteiligten Unternehmen.
Weitere Beiträge zum Thema
Erneuerbare Energien senken langfristig die Strompreise
Tara Esterl vom Austrian Institute of Technology präsentierte eine Studie im Auftrag von Oesterreichs Energie. Die Berechnungen zeigen, dass die Strompreise tendenziell sinken, je näher die europäischen Staaten ihren Ausbauzielen kommen. Den grössten Effekt erzielt der kombinierte Ausbau verschiedener erneuerbarer Erzeugungsformen.
Allein die aktuelle Abweichung vom gesetzlich beschlossenen Ausbaupfad verursachte für die österreichischen Stromkundinnen und Stromkunden im Vorjahr Mehrkosten von rund 110 Mio. Euro. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird damit auch zu einer wirtschaftlichen Frage für Haushalte und Unternehmen.
Herwig Hauenschild von der ENERGIEALLIANZ Austria betonte die Bedeutung einer klaren Kommunikation zu Spot- und Fixtarifen. Manuela Lenk von Statistik Austria verwies auf die Belastung einkommensschwacher Haushalte. Michael Strebl von E-Control hob hervor, dass Zeitpunkt und Ort des Strombezugs künftig stärker über die Kosten entscheiden.
Kooperationen verbinden Energieerzeugung und Verbrauch
Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric, stellte internationale Projekte vor, bei denen Energieunternehmen eng mit ihren Kunden zusammenarbeiten. In Portugal finanzierte und installierte ein Energieversorger eine Wärmebatterie für eine Brauerei. In Polen nutzt eine Molkerei die Abwärme eines Rechenzentrums.
„All diese Projekte können als Blaupause verwendet werden, um das Energiesystem effizienter zu machen“
Eva Tatschl-Unterberger von KNG-Kärnten Netz verwies auf die Bedeutung der räumlichen und zeitlichen Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch. Energiegemeinschaften könnten das Verständnis für das Stromsystem und den notwendigen Netzausbau verbessern. Bei finanziellen Anreizen müsse jedoch beachtet werden, wie die Netzkosten auf die übrigen Netznutzer verteilt werden.
Künstliche Intelligenz unterstützt die Netzsteuerung
Das Panel zur künstlichen Intelligenz befasste sich mit Chancen und Risiken für die Energiewirtschaft. Wolfgang Gröller von Fortinet verwies einerseits auf den steigenden Strombedarf von Rechenzentren. Andererseits könne künstliche Intelligenz die Steuerung der Stromnetze unterstützen.
„KI kostet uns nicht nur etwas, sondern kann uns auch etwas bringen.“
Voraussetzung für einen sicheren Einsatz ist, dass Cybersicherheit von Beginn an berücksichtigt wird. Dies gilt besonders für Anwendungen in der kritischen Energieinfrastruktur.
Michael Baminger stellt den Kundennutzen ins Zentrum
Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, bezeichnete die Verbindung von Optimismus und Realismus als roten Faden des Kongresses. Die Branche müsse unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und ihre Entscheidungen auf Fakten und Klarheit stützen. Zugleich brauche es die Bereitschaft, konkrete Aufgaben anzupacken.
„Der Kongress hat geschafft, die Vielfalt der Herausforderungen und die Vielfalt der Perspektiven zu zeigen.“
Vertrauen müsse nach Einschätzung Bamingers aktiv aufgebaut und langfristig gesichert werden. Als entscheidenden Massstab für die Transformation des Energiesystems nannte er den konkreten Nutzen für die Kundinnen und Kunden.


