
Messentgelte zeigen grosse Unterschiede im Vergleich
Die erstmals separat ausgewiesenen Messentgelte unterscheiden sich zwischen Schweizer Netzbetreibern deutlich. Eine SEC-Auswertung zeigt die Bandbreite für H4, C4 und C5.
Seit dem Tarifjahr 2026 werden die Kosten des Messwesens separat ausgewiesen und über Messtarife den Verursachern zugeordnet. Damit wird erstmals schweizweit transparent sichtbar, welche Entgelte die einzelnen Netzbetreiber für das Messwesen verrechnen.
SEC Swiss Energy Consulting hat die publizierten Tarifmeldungen der Schweizer Netzbetreiber für die ElCom-Standardprofile H4, C4 und C5 ausgewertet. Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den ausgewiesenen Messentgelten. Gleichzeitig macht sie deutlich, weshalb ein reiner Tarifvergleich keine Beurteilung der regulatorischen Angemessenheit erlaubt.
Messentgelte 2026 im Überblick
- H4: 20 bis 180 CHF pro Jahr und Messpunkt bei 544 Netzbetreibern mit ausgewiesenem Messentgelt.
- H4: ElCom-Vergleichswert 74.40 CHF, ungewichteter Median der Netzbetreiber 72 CHF.
- C4: ElCom-Vergleichswert rund 155 CHF, ungewichteter Median 125 CHF.
- C5: 30 bis 1’500 CHF pro Jahr und Messpunkt, ElCom-Vergleichswert rund 565 CHF.
- Die SEC-Vergleichsstufen zeigen die Position relativ zum ElCom-Vergleichswert und sind keine amtliche ElCom-Klassifikation.
Haushalte zahlen zwischen 20 und 180 Franken für die Messung
Beim Haushaltsprofil H4 mit einem Jahresverbrauch von 4’500 kWh reichen die ausgewiesenen Messentgelte von 20 bis 180 CHF pro Jahr und Messpunkt. Die Spannweite beträgt damit 160 CHF. Der höchste ausgewiesene Wert liegt beim Neunfachen des tiefsten Werts.
Der offizielle, einwohnergewichtete ElCom-Vergleichswert beträgt 74.40 CHF pro Jahr. Der ungewichtete Median der Netzbetreiber mit ausgewiesenem Messentgelt liegt bei 72 CHF. Die beiden Werte beruhen auf unterschiedlichen Gewichtungen und sind deshalb methodisch voneinander zu unterscheiden.
Von den ausgewerteten Netzbetreibern liegen 147 beziehungsweise 27 Prozent innerhalb von ±5 Prozent des ElCom-Vergleichswerts. 86 Netzbetreiber beziehungsweise 16 Prozent liegen mehr als 15 Prozent darüber. Gleichzeitig liegen 227 beziehungsweise 42 Prozent mehr als 15 Prozent darunter.
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C4 zeigt Grenzen beim Vergleich von Wandlermessungen
Für das Gewerbeprofil C4 liegt der einwohnergewichtete ElCom-Vergleichswert bei rund 155 CHF pro Jahr. Der ungewichtete Median der Netzbetreiber beträgt dagegen rund 125 CHF. Für die Interpretation ist insbesondere die Tarifdifferenzierung zwischen Haushalts- und Gewerbekunden relevant.
182 von 510 Netzbetreibern weisen für C4 praktisch denselben Messtarif wie für H4 aus. Daraus lässt sich weder ein Meldefehler noch eine unzulässige Tarifgestaltung ableiten. Das ElCom-Profil beschreibt einen standardisierten Vergleichsfall und nicht die konkrete Messkonfiguration eines einzelnen Anschlusses.
Werden diese Fälle im Rahmen einer Sensitivitätsbetrachtung ausgeklammert, steigt der ungewichtete Median der verbleibenden Netzbetreiber auf 168 CHF. Dieser Wert ist weder ein korrigierter ElCom-Vergleichswert noch ein regulatorischer Richtwert. Er zeigt vielmehr, wie stark statistische Vergleichswerte von der Tarifdifferenzierung beeinflusst werden können.
C5 weist bei Mittelspannung die grösste Bandbreite auf
Beim Gewerbe- und Industrieprofil C5 mit Anschluss auf Mittelspannung ist die Streuung nochmals wesentlich grösser. Die 304 Netzbetreiber mit ausgewiesenem Messentgelt verrechnen zwischen 30 und 1’500 CHF pro Jahr und Messpunkt. Der ElCom-Vergleichswert liegt bei rund 565 CHF, der ungewichtete Median bei 480 CHF.
Die Bandbreite ist auch auf die heterogeneren Messkonfigurationen bei Mittelspannungsanschlüssen zurückzuführen. Wandlermessung, Lastgangerfassung und Kommunikationsanbindung können unterschiedlich ausgestaltet sein. Aus den publizierten Tarifmeldungen lässt sich nicht erkennen, welche konkrete Messkonfiguration dem jeweiligen Tarif zugrunde liegt.
Auch deshalb sollten C5-Tarife primär innerhalb der jeweiligen Anschluss- und Verbrauchskategorie verglichen werden. Ein direkter Vergleich mit H4 oder C4 lässt keine belastbare Aussage über die Effizienz eines Netzbetreibers zu.
SEC-Vergleichsstufen ordnen Tarife relativ zum ElCom-Wert ein
Für die Auswertung ordnet SEC die Messentgelte in fünf Vergleichsstufen relativ zum jeweiligen ElCom-Vergleichswert ein. Damit wird sichtbar, ob ein publizierter Messtarif innerhalb seiner Vergleichsgruppe deutlich unter, ungefähr auf oder deutlich über dem Referenzwert liegt.
Diese Einteilung ist eine Methodik von SEC Swiss Energy Consulting. Sie ist keine amtliche ElCom-Klassifikation, kein Effizienzrating und keine regulatorische Beurteilung eines Netzbetreibers.
Ein deutlich höheres Messentgelt kann Anlass geben, die Tarifabgrenzung, die Kostenbasis und die Vergleichbarkeit näher zu prüfen. Aus der Höhe des Tarifs allein lässt sich jedoch nicht ableiten, ob die zugrunde liegenden Messkosten angemessen oder regulatorisch zulässig sind.
Tarifvergleich ersetzt keine Prüfung der Messkosten
Die Auswertung basiert auf den publizierten Tarifmeldungen und nicht auf den Kostenrechnungsdaten der einzelnen Netzbetreiber. Ein hoher oder tiefer Messtarif lässt deshalb keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die effektiven Kosten des Messwesens zu.
Für die regulatorische Beurteilung bleibt die verursachergerechte und nachvollziehbare Kostenbasis des jeweiligen Netzbetreibers entscheidend. Unterschiede bei Messsystemen, Betriebsprozessen, Kommunikationslösungen, Abgrenzungen und Tarifstrukturen können zu unterschiedlichen Kosten und damit zu unterschiedlichen Messentgelten führen.
Die Auswertung schafft damit in erster Linie Transparenz über die publizierten Messentgelte. Sie ermöglicht Netzbetreibern eine Einordnung ihrer Tarife innerhalb der jeweiligen Vergleichsgruppe und zeigt gleichzeitig, an welchen Stellen eine vertiefte Analyse der eigenen Kosten- und Tarifgrundlagen sinnvoll sein kann.



