Geothermie rückt wieder stärker in den Fokus der Energieversorgung. Der EBL Power Talk zeigte, wie neue Bohrtechnik, internationale Erfahrungen und strengere Sicherheitskonzepte die Risiken seit Basel deutlich verändert haben.
Geothermie rückt wieder stärker in den Fokus der Energieversorgung. Der EBL Power Talk zeigte, wie neue Bohrtechnik, internationale Erfahrungen und strengere Sicherheitskonzepte die Risiken seit Basel deutlich verändert haben.
Messen & Kongresse 30. Mai 2026 · 3 Min Lesezeit

EBL Geothermie gewinnt an Bedeutung

Der Power Talk der EBL zeigt, wie neue Technik und Sicherheitskonzepte die Geothermie wieder in den Fokus der Energieversorgung rücken.

Die Geothermie wird in der Schweiz wieder intensiver diskutiert. Am jüngsten Power Talk der EBL in Liestal stand im Zentrum, wie sich die Technologie seit den Ereignissen in Basel weiterentwickelt hat und welche Rolle sie künftig für Strom, Wärme und Versorgungssicherheit spielen kann.

Die EBL brachte dafür bewusst unterschiedliche Perspektiven zusammen. Chancen und Risiken der Tiefengeothermie sollten nicht isoliert betrachtet, sondern fachlich eingeordnet werden.

EBL ordnet Geothermie nach Basel neu ein

Dr. Rudolf Rechsteiner, Alt-Nationalrat, Dozent für erneuerbare Energien an der ETH Zürich und ehemaliger Verwaltungsrat der IWB, erinnerte an seine Erfahrungen mit dem Projekt «Deep Heat Mining Basel». Dieses hatte im Dezember 2006 ein Erdbeben der Stärke 3.4 sowie zahlreiche Nachbeben ausgelöst.

Das Projekt wurde in der Folge eingestellt. Die Ereignisse verunsicherten die Bevölkerung nachhaltig und beeinträchtigten die Akzeptanz der Geothermie in der Schweiz über viele Jahre.

Gerade deshalb ist die heutige Einordnung für die Energiebranche relevant. Tiefengeothermie bleibt technisch anspruchsvoll, wird aber unter veränderten Rahmenbedingungen neu beurteilt.

Geo-Energie Jura zeigt Fortschritte bei Tiefenbohrungen

Olivier Zingg, Geschäftsführer der Geo-Energie Jura, stellte am Power Talk die heutigen Entwicklungen dar. Neue Verfahren, verbesserte Planung und strengere Sicherheitskonzepte hätten die Risiken deutlich reduziert.

Erkenntnisse aus internationalen Projekten, insbesondere aus den USA, fliessen heute in Vorhaben wie das Projekt Haute-Sorne ein. Die Herangehensweise an Tiefenbohrungen sowie die Bohrtechnik selbst haben sich gegenüber den frühen 2000er-Jahren grundlegend verändert.

Diese Entwicklung ermöglicht nach Einschätzung der Referenten eine sicherere und kostengünstigere Erschliessung geothermischer Ressourcen. Damit wird Geothermie wieder stärker als langfristiger Baustein der Energieversorgung diskutiert.

Geothermie zwischen Risiko, Technik und Versorgungssicherheit

  • Das Projekt «Deep Heat Mining Basel» wurde nach dem Erdbeben von 2006 eingestellt.
  • Neue Bohrverfahren und Sicherheitskonzepte reduzieren heute die Risiken von Tiefengeothermie-Projekten.
  • Das Projekt Haute-Sorne nutzt Erkenntnisse aus internationalen Entwicklungen, insbesondere aus den USA.
  • Geothermie liefert grundsätzlich Strom und Wärme unabhängig von Tageszeit und Wetter.

Fervo Energy stärkt internationales Interesse an Geothermie

Der technologische Fortschritt wird auch international wahrgenommen. Kurz vor dem Power Talk nahm das US-Unternehmen Fervo Energy am 13. Mai 2026 bei seinem Börsengang 1.89 Milliarden Dollar ein.

Der Emissionserlös gilt als starkes Signal für das wachsende Interesse an Geothermie im Bereich erneuerbarer Energien. Investoren wie Bill Gates und Google sehen in der Technologie eine mögliche Schlüsselrolle für die Stromversorgung energieintensiver Rechenzentren.

Der Vorteil liegt in der kontinuierlichen Verfügbarkeit. Geothermie kann CO₂-freie Energie rund um die Uhr bereitstellen und ergänzt damit wetterabhängige erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Windkraft.

Bund und Kanton sehen Potential für Wärme und Strom

Auch aus institutioneller Sicht gewinnt die Geothermie wieder an Bedeutung. Christoph Plattner, Mitglied der Geschäftsleitung des Amts für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft, betonte das wachsende Interesse auf kantonaler Ebene.

Im Vordergrund steht dabei insbesondere die Wärmeversorgung. Geothermie kann für Kantone und Gemeinden ein Baustein sein, um fossile Wärmequellen zu ersetzen und lokale Energiesysteme langfristig umzubauen.

Christian Minnig, Fachspezialist erneuerbare Energien beim Bundesamt für Energie, ordnete das schweizweite Potential ein. Dabei wurde deutlich, dass Geothermie zwar kein einfaches Standardprojekt ist, aber im Energiemix der Zukunft wieder stärker berücksichtigt wird.

Power Talks der EBL machen Energiethemen zugänglich

Die Veranstaltungsreihe «Power Talk» der EBL hat sich als Plattform für aktuelle Energiethemen etabliert. Fachpersonen und Öffentlichkeit diskutieren im Elefantehuus zentrale Fragen der Energiezukunft in einem offenen Rahmen.

Der nächste Power Talk findet am 23. September 2026 statt. Er widmet sich dem Thema «Windkraft oder Gas – was sichert unsere Zukunft?».

Die «Power Talks» sind das Eventformat der EBL. In der Eventlocation Elefantehuus finden regelmässig Talks zu ausgewählten Themen aus dem Energiebereich mit Expertinnen und Experten aus der EBL sowie externen Referentinnen und Referenten statt.

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