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Am 20. DSV-Forum vom 6. November 2026 in Aarau diskutierten Vertreter der Schweizer Energiebranche über Netzregulierung, Strommarktöffnung und die Zukunft kleiner Verteilnetzbetreiber. Interaktive Befragungen zeigten den Wunsch nach weniger Regulierung und mehr Pragmatismus. Bild: Netzbetreiberinfo.ch zVg
Messen & Kongresse 6. November 2026 · 6 Min Lesezeit

20. DSV-Forum Netzbetreiber fordern weniger Regulierung und mehr Pragmatismus

Am 6. November 2026 fand in Aarau das 20. Forum des Dachverbands Schweizer Verteilnetzbetreiber (DSV) statt. Im Mittelpunkt standen die Zukunft kleiner Energieversorgungsunternehmen, die Strommarktöffnung und die zunehmenden regulatorischen Anforderungen. Interaktive Befragungen der Teilnehmenden zeigten ein deutliches Stimmungsbild: Kundennähe und regionale Wertschöpfung gelten als wichtigste Stärken lokaler Energieversorger. Gleichzeitig wünschen sich die Teilnehmenden weniger Regulierung, mehr Pragmatismus und eine stärkere Berücksichtigung der betrieblichen Realität.

20. DSV-Forum: Austausch über die Zukunft der Verteilnetzbetreiber

Das 20. DSV-Forum im kultur & kongresshaus aarau widmete sich den Herausforderungen der Schweizer Strombranche. Der Dachverband Schweizer Verteilnetzbetreiber (DSV) hatte Fachleute aus Energieversorgung, Politik und Wirtschaft eingeladen, um über Netzregulierung, Marktöffnung und mögliche Organisationsmodelle für kleinere Energieversorgungsunternehmen (EVU) zu diskutieren.

Das Programm umfasste Referate zu den Erfahrungen mit der deutschen Strommarktliberalisierung, zu Kooperationsmodellen für kleine Verteilnetzbetreiber, zum Veränderungsmanagement sowie zum Staats- und Subventionswachstum. Eine Podiumsdiskussion befasste sich mit der Frage, wie eine schlanke Regulierung der Schweizer Stromnetze erreicht werden kann.

Besonders aufschlussreich waren die interaktiven Befragungen während der Veranstaltung. Die Ergebnisse geben einen Einblick in die Einschätzungen und Prioritäten der anwesenden Branchenvertreter. Sie sind als Stimmungsbild der jeweiligen Teilnehmenden und nicht als repräsentative Branchenumfrage zu verstehen.

Stromversorgung im Winter: 65 Prozent erwarten keine Knappheit

Auf die Frage «Wird in der Schweiz diesen Winter der Strom knapp?» antworteten 65 Prozent der 65 Teilnehmenden mit Nein. 35 Prozent rechneten dagegen mit einer möglichen Stromknappheit.

Damit zeigte sich bei dieser Befragung eine überwiegend zuversichtliche Einschätzung der Versorgungssituation für den Winter 2026/2027. Gleichzeitig verdeutlicht der Anteil von 35 Prozent, dass die Versorgungssicherheit weiterhin ein wichtiges Thema für die Branche bleibt.

Deutsches Grundversorgungsmodell spaltet die Teilnehmenden

Eine weitere Frage beschäftigte sich mit der möglichen Übertragung des deutschen Grundversorgungsmodells auf die Schweiz. Von 55 Teilnehmenden betrachteten 51 Prozent ein solches Modell als Option für die Schweiz. 49 Prozent lehnten dies ab.

Das Ergebnis zeigt ein nahezu ausgeglichenes Meinungsbild. Eine klare Präferenz für oder gegen eine Übernahme des deutschen Modells lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei der anschliessenden offenen Frage nach den positiven Aspekten der deutschen Grundversorgung wurden insbesondere folgende Eigenschaften genannt:

  • Unterjährige und kurzfristige Anpassung der Stromtarife
  • Wechselmöglichkeiten für Kundinnen und Kunden
  • Weniger Regulierung und weniger Vorschriften
  • Stärkere Orientierung an Marktmechanismen

Die genannten Aspekte verdeutlichen den Wunsch nach grösserer Flexibilität bei der Tarifgestaltung und nach einfacheren regulatorischen Rahmenbedingungen.

Kundennähe ist das wichtigste Argument für lokale Energieversorger

Eine zentrale Frage des Forums lautete: «Welches ist Ihr stärkstes Argument für das Weiterbestehen Ihres EVU?»

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Priorisierung der Kundennähe. Sie wurde von 46 Prozent der Teilnehmenden als wichtigstes Argument genannt. Auf dem zweiten Platz folgte die regionale Wertschöpfung mit 23 Prozent. Weitere 17 Prozent nannten die lokale Selbstbestimmung.

Argument für das Weiterbestehen des EVUAnteil
Kundennähe 46 %
Wertschöpfung in der Region 23 %
Lokale Selbstbestimmung 17 %
Koordination aller Gewerke 10 %
Freiheitsgrad in der Tarifgestaltung 2 %
Andere 2 %
Mitwirkung in Gemeindegremien 0 %
Reaktionszeit 0 %

Insgesamt entfallen damit 86 Prozent der Antworten auf Kundennähe, regionale Wertschöpfung und lokale Selbstbestimmung. Diese drei Eigenschaften bilden aus Sicht der Befragten die wichtigsten Argumente für eigenständige lokale Energieversorgungsunternehmen.

Bemerkenswert ist dagegen die geringe Bedeutung des Freiheitsgrads in der Tarifgestaltung. Dieser wurde lediglich von 2 Prozent als wichtigstes Argument genannt.

Kooperationen bevorzugt, Netzverkauf am wenigsten attraktiv

Die Teilnehmenden wurden ausserdem gefragt, wie sie verschiedene Handlungsoptionen für ihr Energieversorgungsunternehmen priorisieren würden.

In der abschliessend dokumentierten Rangfolge von 48 Teilnehmenden belegten Serviceverträge für einzelne Leistungen den ersten Platz. An zweiter Stelle folgte die Beibehaltung der bisherigen Organisation ohne Veränderung.

Die Rangfolge lautete:

  1. Servicevertrag für einzelne Leistungen
  2. Keine Veränderung
  3. Rechtsformänderung und Fusion (gleichrangig)
  4. Betriebsgesellschaft
  5. Verpachtung
  6. Netzverkauf

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Teilnehmenden punktuelle Kooperationen und die Auslagerung einzelner Dienstleistungen gegenüber weitreichenden strukturellen Veränderungen bevorzugen.

Ein vollständiger Netzverkauf landete auf dem letzten Platz. Auch die Verpachtung und die Gründung einer Betriebsgesellschaft wurden deutlich tiefer priorisiert als Serviceverträge.

Für kleinere Verteilnetzbetreiber könnte dies bedeuten, dass die Zusammenarbeit bei einzelnen Aufgaben wie Energiebeschaffung, Abrechnung, Messwesen oder regulatorischen Dienstleistungen als attraktive Möglichkeit betrachtet wird, um steigende Anforderungen zu bewältigen und gleichzeitig die Eigenständigkeit zu erhalten.

Regulierung: Effizienzmassnahmen, LEG und Messwesen in der Kritik

Besonders deutlich fiel das Stimmungsbild bei der Frage aus, welche Regulierung die Teilnehmenden abschaffen würden, wenn sie für einen Tag darüber bestimmen könnten.

In der offenen Befragung wurden unter anderem folgende Themen genannt:

  • Effizienzmassnahmen und Energieeffizienzvorgaben
  • Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG)
  • Regulatorische Anforderungen im Messwesen
  • Virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV)
  • Vorgaben im Zusammenhang mit dem Stromversorgungsgesetz (StromVG)
  • Weitere Verordnungen und regulatorische Verpflichtungen

Besonders häufig beziehungsweise auffällig gross erschienen in der Wortwolke die Begriffe Effizienzmassnahmen, LEG und Messwesen.

Die Antworten zeigen, dass die zusätzlichen Aufgaben aus der Weiterentwicklung der Strommarktregulierung von Teilen der Branche kritisch beurteilt werden. Insbesondere für kleinere Netzbetreiber können neue Vorgaben einen erheblichen organisatorischen und administrativen Aufwand verursachen.

Da es sich um eine offene Wortwolke handelt, lassen sich daraus allerdings keine belastbaren prozentualen Zustimmungswerte zu einzelnen Forderungen ableiten.

Klare Botschaft an die nationale Politik: Weniger Regulierung

Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden gefragt, was sie sich von der nationalen Politik wünschen.

Die Wortwolke zeigte eine auffällige Konzentration auf wenige zentrale Begriffe:

  • Weniger Regulierung
  • Pragmatismus
  • Zuhören
  • Deregulierung
  • Effektive Deregulierung
  • Mehr Fachkompetenz und Praxisbezug
  • Fokus auf das Wesentliche
  • Langfristiges Denken

Weitere Rückmeldungen verlangten, dass die Politik stärker auf die Branche hören, die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigen und den Kundennutzen nicht aus den Augen verlieren solle.

Die Ergebnisse lassen einen deutlichen Wunsch nach einer Regulierung erkennen, die sich stärker an der betrieblichen Praxis orientiert und unnötigen administrativen Aufwand vermeidet.

Networking und fachlicher Austausch im Mittelpunkt

Bereits zu Beginn des Forums wurden die Erwartungen der Teilnehmenden erhoben. Die Begriffe Networking, Netzwerk, Austausch und Impulse dominierten die entsprechende Wortwolke. Daneben wurden neue Informationen, Klarheit und praktische Anregungen genannt.

Damit unterstreicht die Befragung die Bedeutung des DSV-Forums als Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen den Schweizer Verteilnetzbetreibern.

20. DSV-Forum: Die wichtigsten Ergebnisse

  • 65 Prozent der 65 Befragten erwarten für den Winter 2026/2027 keine Stromknappheit.
  • 51 Prozent der 55 Befragten sehen das deutsche Grundversorgungsmodell als mögliche Option für die Schweiz.
  • 46 Prozent nennen Kundennähe als wichtigstes Argument für das Weiterbestehen ihres EVU.
  • 23 Prozent priorisieren die regionale Wertschöpfung, weitere 17 Prozent die lokale Selbstbestimmung.
  • Serviceverträge für einzelne Leistungen stehen bei den organisatorischen Handlungsoptionen an erster Stelle.
  • Netzverkauf wird unter den abgefragten Optionen am tiefsten priorisiert.
  • Weniger Regulierung und mehr Pragmatismus gehören zu den auffälligsten Forderungen an die nationale Politik.

Fazit: Eigenständigkeit erhalten und regulatorischen Aufwand reduzieren

Das 20. DSV-Forum machte deutlich, welche Themen die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Verteilnetzbetreiber beschäftigen. Die Ergebnisse der interaktiven Befragungen zeigen einerseits den Wunsch, die Eigenständigkeit lokaler Energieversorger zu bewahren. Andererseits wird eine Vereinfachung der regulatorischen Anforderungen gefordert.

Die Kundennähe, die regionale Wertschöpfung und die lokale Selbstbestimmung werden als zentrale Stärken kleiner Energieversorgungsunternehmen betrachtet. Bei organisatorischen Veränderungen stehen gezielte Kooperationen im Vordergrund, während ein vollständiger Netzverkauf auf wenig Zustimmung stösst.

Die zentrale Botschaft der Befragungen lautet: Die Teilnehmenden wünschen sich eine praxistaugliche Regulierung, die den Besonderheiten kleiner Verteilnetzbetreiber Rechnung trägt und ausreichend Handlungsspielraum für einen wirtschaftlichen und kundenorientierten Netzbetrieb lässt.

Weitere Informationen zum DSV-Forum sind auf der Website des Dachverbands Schweizer Verteilnetzbetreiber verfügbar.

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